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RamPrint Erfahrungsbericht

Autor: Rolf Stegmann

RamPrint - Drucken im Hintergrund

Das GEOS-System und die GEOS-Programmierer waren schon für manche Überraschung gut, aber Multitasking auf dem C64 unter GEOS, daß haben sicher wenige erwartet. Ich habe das kürzlich erschienene Programmpaket RamPrint, zu dem die Programme RamProcess, PrinterBuffer und Uhr V1.0 gehören, einmal unter die Lupe genommen und dabei festgestellt, daß es, metaphorisch gesprochen, neben Gebirgsketten und Höhenzügen auch noch Täler und Bodenwellen gibt.

Was der Postbote im DIN C5-Umschlag in den Briefkasten warf, war von der optischen Aufmachung her etwas bescheiden: Eine 5.25" No-Name Diskette mit einem etwas schludrig genagelten Aufkleber "RamPrint" und dem Logo des GEOS USER CLUB. Man könnte sagen, der günstige Preis für die auf der Diskette enthaltenen Programme machen solche Mängel wieder wett, aber es dürfte auch keine größeren Schwierigkeiten bereiten, sie von vornherein zu vermeiden. Wenn schon GEOS-Professional, dann auch professionell. Ein gutes Beispiel dafür ist das zum Programm gehörende Handheft. Abgesehen davon, daß es inhaltlich vielleicht dies oder das zu ergänzen gäbe, ist es von der optischen Aufmachung her gut gelungen. Vielleicht gibt es in einer späteren Auflage noch ein paar Hardkopies!?

Doch Optik hin oder her, jetzt geht's ans Eingemachte, will sagen, an Installation und Arbeitseinsatz von RamPrint. Erstere erfolgt auf einem Laufwerk 1541 oder auf einer als 1541 konfigurierten 1571. Beim öffnen der Programmdiskette unter GEOS findet sich die Datei "InstallPB". Durch doppelklicken des Piktogramms wird der Installationsvorgang gestartet und die einzelnen zu RamPrint gehörenden Programme werden "entpackt", d. h. aus einem komprimierten in das normale GEOS-Format umgewandelt. Dies geschieht völlig ohne Zutun des Anwenders und nach Rückkehr zum DeskTop befinden sich die bereits oben erwähnten Programme auf Diskette.

Eines von ihnen ist RamProcess, welches überhaupt das Ablaufen weiterer Programme in der RAM-Erweiterung ermöglicht, während beispielsweise eine GEOS-Applikation geladen ist. Also muß RamProcess zuallererst aktiviert werden. Dies geschieht wie üblich mit einem Doppelklick auf selbigem Piktogramm. Die Folge: RamProcess installiert sich und zeigt in einer Dialogbox die ungenutze Speicherkapazität der REU, das können bei einer 1750 ungefähr 200 Blöcke sein. Diese Angabe variiert je nach Anzahl der angeschlossenen Laufwerke. Teilt man die angezeigte Zahl durch vier, so erhält man den freien Speicherplatz in KBytes. Innerhalb dieses freien Speicherbereiches können jetzt "RAM-Applikationen" laufen. Eine der sinnvollsten ist sicherlich der Druckerpuffer "PrintBuffer" - als zweites Programm auf der nunmehr installierten RamPrint-Diskette. Ein Doppelklick erweckt PrintBuffer zum Leben. Der Anwender wird aufgefordert, den üblicherweise verwendeten Druckertreiber aus einer Liste auszuwählen, was natürlich nur möglich, wenn jener auf Disk präsent ist. So getan, öffnet sich eine große Dialogbox mit mehreren Einstellmöglichkeiten betreffend des Druckerpuffers. Grundsätzlich muß an den Voreinstellungen nichts verändert werden, wer RamPrint täglich einsetzt, wird die "Zykluszeiten" wahrscheinlich anders einstellen. Doch dazu später etwas.

Die Dialogbox wird durch OK verlassen und PrintBuffer ist arbeitsbereit. Zum Programmpaket RamPrint gehört auch der "Pseudo"-Druckertreiber RamPrinter, welcher sich ebenfalls auf der aktuellen Arbeitsdiskette befinden sollte. Er bewirkt die Umleitung der Druckausgabe in die RAM-Erweiterung. Auf dem DeskTop wird dies dadurch ersichtlich, daß nach Starten von PrintBuffer der Druckername "RamPrinter" unter dem Druckersymbol auftaucht und, solange PrinterBuffer aktiv ist, nicht mehr geändert werden kann, jedenfalls nicht dauerhaft.

Da die Vorbereitungen alle abgeschlossen sind, kommt jetzt die Stunde der Wahrheit. Ich öffne ein zweiseitiges GeoWrite-Dokument und gebe den Befehl zum Ausdrucken. Die Meldung "Drucke..." erscheint und in der linken, oberen Bildschirmecke des GeoWrite-Fensters blinkt es eine zeitlang auf. Dies ist eine optische Anzeige, daß das GeoWrite-Dokument jetzt "in die REU" gedruckt wird. Nach kurzer Zeit verschwindet die Meldung "Drucke..." und GeoWrite ist wieder arbeitsbereit. Doch wo bleibt der Ausdruck? Wenn man schon meint, das Ganze funktioniert nicht, setzt sich auf einmal der Drucker in Bewegung. Während des Ausdruckes kann man jetzt in GEOS weiterarbeiten, mit dem Umstand, daß der Drucker solange stoppt, wie man die Maus bewegt oder eine Taste betätigt.

Der kluge Anwender denkt sich jetzt: Was bringt mir die Einsparung der Wartezeit im Hinblick auf einen "normalen" Ausdruck, wenn ich nach dem "Druckvorgang" untätig sein muß, damit mein Drucker sich regt?!

Hier komme ich auf die oben erwähnte, einstellbare Zykluszeit zu sprechen, erspare mir aber eine genaue Definition derselben, da dies den Rahmen des Artikels sprengen würde. Hier nur soviel: Einstellen läßt sich ein minimaler und ein maximaler Wert. Auswirkungen haben diese Einstellungen auf die Zeitspanne nach der der Drucker aktiv wird, wenn keine Tastatureingaben erfolgen oder die Maus bewegt wird. Ich habe PrinterBuffer auf meinem C64 so konfiguriert, daß der minimale Wert 300 und der maximale 1000 beträgt. So geht der Drucker wieder einigermaßen flott zur Sache, nachdem der Ausdruck z. B. durch eine Tastatureingabe unterbrochen wurde. Umgekehrt werden Mausbewegungen bei dieser Einstellung sofort registriert und der Ausdruck unterbrochen. Dies ist also eine Art "Pseudo"-Multitasking. Schön ist, daß Fehler, wie z. B. ein nicht betriebsbereiter Drucker vom Programm angezeigt werden; der Anwender kann entsprechend reagieren. Bei mir funktionierte dies ohne Datenverlust.

Wenn man natürlich haben möchte, daß Ausdruck UND Tastatureingaben GLEICHZEITIG erfolgen sollen, erfordert jenes Verlangen eine leistungsfähigere Hardware, als den guten alten C64. Selbst bei PC/GEOS auf einem 386SX setzt der Drucker kurzzeitig aus, wenn gerade umfangreichere Festplattenzugriffe erfolgen. Dies nur zur Verteidigung unseres Brotkastens.
Wobei man aber ausdrücklich sagen muß, daß die Besitzer eines parallel angeschlossenen Druckers deutlich im Vorteil sind. Bei einem seriellen dauert die Datenübertragung zum Drucker merklich länger, so daß die Zwangsunterbrechung deutlich auffällt.

RamPrint arbeitet zur Zeit noch nicht mit den 24-Nadel-Opti Treibern von Dieter Marten und Thilo Herrmann zusammen. Bei den 9-Nadel-Opti Treibern habe ich keine Probleme feststellen können, auch Mega- und Printer-Edit Treiber funktionieren einwandfrei unter PrinterBuffer. Eine Zusammenarbeit mit GEOS-LQ ist allerdings NICHT möglich, da GEOS-LQ nach einem völlig anderen Prinzip den Ausdruck steuert.

Auf der RamPrint Diskette befindet sich nach dem Entpacken auch das Programm "Uhr V1.0". Es wird nach aktivieren von RamProcess gestartet und blendet eine Zeitanzeige in jeder GEOS-Applikation ein, welche ständig aktualisiert wird. Leider erscheint die Anzeige auch im neuen TopDesk und blendet sich da versetzt über die "normale" Anzeige. Ein "Fehler" seitens des TopDesk, da dieser als Applikation gilt (Infoblock) und somit von der "Uhr V1.0" als solche erkannt wird.

Wer jetzt überlegt, ob er sich das Programmpaket RamPrint zulegen sollte, der muß bedenken, daß auch mit RamPrint Unmögliches nicht möglich wird. Wo aufgrund der Hardware dem C64 Grenzen gesetzt sind, kann auch die allerbeste Software diese nicht überschreiten. Die Anwendungsbereiche jedoch, die durch RamProcess erschlossen werden und von denen RamPrint sicherlich nur der Anfang ist, zielen stark in Richtung PC und dürfen sich durchaus Multitasking nennen. Mit Einschränkungen, aber immerhin. Spätestens dann kommt Freude auf, wenn man mal zwei, drei Druckaufträge aus verschiedenen GEOS-Applikationen hintereinander losläßt, um zuzusehen, wie RamProcess diesen sonst unmöglichen Job erledigt. Bei mir hat dies anstandslos funktioniert. Ein wesentlicher Faktor ist dabei natürlich die Größe der REU. Doch selbst auf der kleinen 1764 ist RamPrint einsetzbar. Ich setze das Programm zusammen mit einer 1 MB-REU ein; RamProcess meldet mir 402 freie Blöcke, das ergibt ca. 100 KByte Platz für RAM-Applikationen. Zudem werden die Druckdaten von PrinterBuffer komprimiert in die REU geschrieben.

In Kürze wird eine weitere RAM Applikation herauskommen, der "Ram-Sleeper". Doch was ist "Sleeper" ? Sicherlich hat fast jeder GUC'ler schon einmal etwas von sogenannten Bildschirmschonern gehört. Ein über längere Zeit gleichbleibendes Bild, auf dem Monitor angezeigt, kann unter Umständen zu "Einbrennerscheinungen" führen, d. h. nach Ausschalten des Monitors ist jenes Bild, beispielsweise die Menüleiste des DeskTop, immer noch sichtbar - es ist "eingebrannt". Die Phosphorschicht des Monitors wurde teilweise zerstört. Damit dieser fatale Fall nicht eintreten kann, und wer geht nicht dann und wann mal vom Computer weg ohne den Monitor auszuschalten, gibt es RamSleeper. RamSleeper ist ein solcher Bildschirmschoner der, einmal aktiviert, nach einer einstellbaren Zeitspanne den Monitor auf "schwarz" schaltet - die Gefahr ist gebannt. Im Gegensatz zu anderen Bildschirmschonern ist der Screen nicht völlig schwarz, sondern es wird an ständig wechselnder "Sternenhimmel" angezeigt, bei dem einzelne Sterne aufblinken und wieder verschwinden; sehr hübsch anzusehen. Eine Mausbewegung oder ein Tastendruck erwecken GEOS wieder zum Leben, der Bildschirminhalt "vor dem Abdunkeln" wird angezeigt. Leider hatte ich mit der getesteten (Vor-) Version ab und zu Pech - GEOS meldete sich nicht wieder, der Bildschirm blieb schwarz. Nur ein Reset mit RBOOT half. Aber die Milckeschen Programmierkünste müßten dies auch noch in den Griff bekommen.

Fest steht RamPrint ist bei optimaler Einstellung von PrinterBuffer durchaus sinnvoll, ich selbst arbeite zufriedenstellend damit. Wenn die angesprochenen Mängel des Gesamtpaketes noch beseitigt werden, kann die Anschaffung eines PC um ein weiteres Jahr verschoben werden!
Der Grundstein für die nächsten RAM-Applikationen jedenfalls ist gelegt: Multitasking unter GEOS - funktioniert!

 

Rolf Stegmann

(Anm.: Bezugsquelle und Preise siehe Seiten 13 und 2)


 




Dieser Artikel ist Bestandteil von:

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Letzte Änderung am 01.11.2019