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Hardware Test: PC Tastatur Interface

Autor: Andreas Neef

Gestern bekam ich die GUP 57 und war sehr enttäuscht vom 64'er-Teil. Aber wenn sich einfach keiner daran beteiligt, kannst Du (die GUP Redaktion) ja nichts dafür. Deshalb habe ich mich mal aufgerafft und wieder einen kleinen Beitrag verfaßt, der vielleicht auch andere User interessiert. Es handelt sich dabei um einen Testbericht zu einem neuen PC-Tastatur-Interface für den C64.
Wie schon bei den letzten Artikeln bekommt die GO64 auch eine Kopie, damit mehr C64-User erreicht werden können.

Das PC Tastatur-Interface
Seit einigen Monaten gibt es ein neues PC-Tastaturinterface für den C64. Hier ein kurzer Bericht darüber, was man davon halten kann und ob es eine kompatiblere Lösung als vorangegangene Versuche darstellt

Wer seinen C64 viel zum Schreiben benutzt, hat sich sicher schon oft an der ergonomisch ungünstigen Tastatur seines Computers gestört, ganz besonders die Besitzer eines alten "Brotkastens". In der Vergangenheit gab es bereits mehrfach Versuche, eine andere Tastatur an den C64 anzupassen. Die bisher beste Lösung war sicherlich GeoKeys, mit dem die Nutzung einer PC Tastatur unter GEOS möglich war. Allerdings war man damit auf GEOS beschränkt, der Userport war belegt und es wurde der Speicherbereich der Kassettenroutinen des C64 benutzt, den aber auch einige Schnellader verwenden (z. B. Jiffy-Dos), auf die man dann verzichten mußte. Nun gibt es eine neue Lösung, die seit Ende letzten Jahres von ZELETRONICS angeboten wird (die GO64 berichtete bereits kurz).

Die Hardware
Das Interface besteht aus einer einfachen Platine mit einigen CMOS-Schaltkreisen, einem Intel 80C31-Prozessor, einem Taktgenerator und einem EPROM. Das Layout ist sauber und macht einen professionellen Eindruck. Aus Kostengründen wurde jedoch von einer doppelseitigen auf eine einseitige Platine übergegangen, wodurch eine Reihe von Drahtbrücken notwendig wurden, die den optischen Eindruck der Schaltung etwas schmälern.

Auch die Lötstellen, die zwar elektrisch einwandfrei sind, könnten etwas sauberer sein - ein wenig Flußmittel-Spray beim Löten hätte hier schon viel bewirkt. Normalerweise wird die Schaltung aber sowieso in einem stabilen Metallgehäuse geliefert, so daß der normale Anwender davon nichts bemerkt. Außerdem gibt es dazu ein Steckernetzteil, welches für die Stromversorgung der Schaltung notwendig ist. Wer lieber ein eigenes Netzteil verwenden möchte, hat hier jede Menge Freiheitsgrade. Der Buchse für den Power-Stecker ist eine Gleichrichter-Brückenschaltung mit Glättungskondensator nachgeschaltet sowie ein Spannungsregler 7805, der aus der gleichgerichteten Spannung konstant 5 Volt macht. Daher kann man eine Spannung zwischen ca. 7,5 V und 20 V zur Versorgung wählen und es ist gleichgültig, ob man Wechsel- oder Gleichspannung (egal welche Polarität) verwendet. Wer ein PC-Schaltnetzteil verwendet, kann auch gleich die geregelten 5 V hinter dem 7805 einspeisen.

Von einer zweireihigen Stiftleiste auf der Platine geht ein PC-Floppy-Kabel ab, dessen anderes Ende auf den Tastatur-Steckplatz auf dem C64-Bord paßt. Dabei ist es egal, welche der beiden Reihen des Steckers man benutzt. Des weiteren befindet sich auf der Platine eine 5-polige DIN-Buchse, in die der Stecker einer PC-Tastatur hineingesteckt wird. Verwendet man eine Tastatur mit einem PS2-Stecker, muß noch ein handelsüblicher Adapter dazwischengesteckt werden.

Die Funktion
Sind Stromversorgung, C64-Verbindungskabel und Tastatur angesteckt, kann man das Interface und den Computer einschalten. Das Interface führt einen Selbsttest durch, währenddessen die LED auf der Tastatur der Reihe nach aufleuchten. Wenn alle LED erloschen sind, ist die Tastatur betriebsbereit. Nun kann darauf ganz normal geschrieben werden, die Schaltung interpretiert die Signale der PC-Tastatur und konvertiert sie in das Format, welches der C64 erwartet.
Probleme beim Schreiben gibt es keine, selbst bei sehr zügigem tippen werden alle Buchstaben korrekt erkannt. Auch die Belegung der Funktionstasten (getestet mit Jiffy-Dos und Novaterm sowie natürlich unter GEOS) wurde richtig wiedergegeben; die Ziffern auf dem Zehnerblock und die Cursortasten können ebenfalls benutzt werden.

Spezielle C64-Tasten wurden recht sinnvoll auf andere Tasten gelegt. So findet man RUN/STOP auf der Pause-Taste und Commodore auf der Alt-Taste. Auch Funktionen, die der C64 ursprünglich nicht besitzt, wurden integriert, wie z. B. Commodore-Lock auf der AltGr-Taste, Control-Lock auf der linken Control-Taste und die Einfügen-Taste wurde mit einer entsprechenden Funktion belegt. Die entsprechende Belegung wurde mit einem wasserfesten Stift auf die Tasten gemalt, hier hätte eine Tastaturschablone vielleicht professioneller gewirkt. In der Anleitung sind zwar entsprechende Seiten für die Tastenbelegung vorgesehen, jedoch sind diese Seiten bisher noch leer.

Überhaupt bedarf die Anleitung noch einer Vervollständigung, enthält sie doch nur eine kurze Beschreibung zum Verbinden von Tastatur und Interface mit dem C64, die Adresse und Telefonnummer des Herstellers und einige fast leere Seiten.

Die Tastatur funktioniert im Basic und mit allen getesteten Programmen ganz ausgezeichnet, auch mit einer SuperCPU unter 20 MHz. Die im ersten Kurztest der Go64 beschriebenen Probleme mit einem Absturz des Interfaces (Shift-Lock- bzw. Commodore-Lock-Modus kann nicht mehr verlassen werden) treten nur auf, wenn man dies böswillig provoziert. Dazu muß man mehrmals schnell hintereinander auf die Shift-Lock- oder die Commodore-Lock-Taste einhämmern, was beim normalen Schreiben (selbst im Zehnfingersystem) nicht auftritt. Für diesen Fall gibt es einen Resetknopf am Interface, durch den die Schaltung zurückgesetzt werden kann, ohne daß der C64 davon in irgendeiner Form beeinträchtigt wird. Ein bißchen ärgerlich ist, daß y und z auf der Tastatur vertauscht sind. Dem hätte man ganz einfach dadurch entgegenwirken können, indem man zu dem Interface eine amerikanische Tastatur geliefert hätte. Unter GEOS, das ja eine deutsche Testaturbelegung verwendet, stimmt dann aber alles wieder.

Stichwort GEOS: In der ursprünglichen Version des Interfaces nahm GEOS überhaupt keine Eingaben von der Tastatur an. Nachdem sowohl ich als auch Niko Malecki Herrn Zelenak darauf hingewiesen haben, wurde ein neues Eprom mit der Version 1.4 bzw. 1.5 geschickt. Der Unterschied zur Vorversion bestand darin, daß ein Buchstabe einfach länger im Flip-Flop gehalten wird und somit für GEOS mehr Zeit besteht, diesen auszulesen. Mit diesem neuen Eprom läuft das Tastaturinterface nun auch unter GEOS einwandfrei.

Wer allerdings RamProcess benutzt und mehrere zeitkritische Prozesse im Hintergrund laufen hat (RamHardcopy, Bildschirmschoner), bekommt Probleme mit der Tastatur. Dann wird GEOS derart gebremst, daß nicht mehr genügend Zeit bleibt, um die Tastatur auszulesen. Das Ergebnis: es werden nicht alle Buchstaben dargestellt, die auf der Tastatur gedrückt wurden. An ein zügiges Schreiben ist nicht mehr zu denken, daran ändert auch die Verwendung einer SuperCPU mit 20 MHz nichts. Hat man aber nur den Filebrowser im Hintergrund laufen, gibt es keine Probleme, da dieser ja nicht zeit- sondern ereignisgesteuert abläuft.

Ein anderes Problem stellt die Commodore-Taste dar. Tastenkürzel in Verbindung mit dieser Taste funktionieren einwandfrei. Will man jedoch mehrere Dateien am Desktop selektieren, so muß man diese der Reihenfolge nach anklicken, während die Commodore-Taste gedrückt zu halten ist. Dies funktioniert jedoch nicht, auch die implementierte Commodore-Lock-Taste hilft dabei nicht.

Service
In der Anleitung, die dem Interface beiliegt, sind Anschrift und Telefonnummer des Herstellers angegeben. Anfragen wurden prompt beantwortet, Hinweise und Verbesserungsvorschläge sofort umgesetzt. Zur Lösung des beschriebenen Problems unter GEOS wurde umgehend ein neues EPROM geschickt ? kostenlos. Auch andere Fragen wurden umfassend beantwortet. Als ich mein Interface durch eine lose Schraube kurzgeschlossen und damit völlig lahmgelegt hatte, bekam ich detaillierte Hinweise zur Schaltung und eventuell defekten Schaltkreisen.

Fazit
Das Tastaturinterface von CELETRONICS stellt eine ausgezeichnete Lösung für den Anschluß einer PC-Tastatur an den C64 dar. Durch den Anschluß an den Original Tastatur-Steckplatz des C64 wird ein Höchstmaß an Kompatibilität gewährleistet und man muß keine Einschränkungen hinsichtlich überlappender Speicherbereiche oder belegter Ports machen. Die Schaltung funktioniert mit verschiedenen Versorgungsspannungen und ist auch ohne das schirmende Metallgehäuse kein bißchen störanfällig. Dadurch ist sie bei einem Einbau des C64 in ein PC-Gehäuse die ideale Ergänzung. Nach einem Versionsupdate des Eproms arbeitet auch GEOS, sicher der Hauptanwendungsbereich einer PC-Tastatur, hervorragend mit dem Interface zusammen. Bei in seltenen Fällen auftretenden Abstürzen der Tastatur hilft ein Resetknopf weiter, der nur das Interface, nicht den C64 zurücksetzt.
Abstriche sind nur beim optischen Eindruck der Platine, der handbeschrifteten Tastatur sowie der unfertig wirkenden Anleitung zu machen.

Auf den ersten Blick scheint der Preis von 199 DM recht hoch zu sein. Bedenkt man aber, daß die Schaltung und das Gehäuse komplett in Handarbeit erstellt werden und man ein Netzteil sowie eine qualitativ hochwertige Cherry-Tastatur dazubekommt, ist dieser Preis jedenfalls gerechtfertigt.

Für alle, die viel an ihrem C64 zu schreiben und sich schon lange eine andere Tastatur gewünscht haben, ist diese Erweiterung uneingeschränkt empfehlenswert.

 

Andreas Neef

 

 

 




Dieser Artikel ist Bestandteil von:

Ausgabe 58

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Letzte Änderung am 01.11.2019