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Surfen mit dem Commodore - ...ride the wave

Autor: Andreas Neef

In Ausgabe 12/97 habe ich zum Abschluss der Beschreibung des Internetzugangs mit LYNX geschrieben: "Haben wir 64er-Freaks bisher nicht früher oder später alles bekommen, wonach genügend Leute lange genug gerufen haben...?" Nun ist es soweit. Anfang Oktober hat Maurice Randall die Version 1.0 von THE WAVE auf seiner Homepage zum Download eingespielt. Damit ist für alle internetbegeisterten Commodore User die Zeit des Suchens nach einem Shell-Zugang vorüber. THE WAVE bietet einen TCP/IP-Stack, der die Einwahl per PPP und damit bei nahezu jedem beliebigen Internet-Service-Provider (ISP) ermöglicht.

Voraussetzungen
Ein wenig müssen wir die Euphorie aber dämpfen, denn nicht JEDER C64/128 User kann THE WAVE nutzen. Voraussetzung sind eine SuperCPU mit RamCard und mindestens 1MB RAM sowie Wheels als GEOS-Erweiterung. Von Wolfgang Grimm gibt es Pläne für eine deutsche Version und eventuell eine Anpassung an MegaPatch.

THE WAVE kommt mit zwei Dateien daher: einer Dokumentation zum Installer im GeoWrite-Format und das Installationsprogramm selbst (267 kB). Zur Installation des Browsers unter Wheels muss nur das Installer-Icon doppelt angeklickt werden, es sind jedoch mindestens 320kB freier RAM in der SuperRamCard nötig. Der Installer erstellt die eigentlichen WAVE-Dateien, sowie eine neue Toolbox und -für Wheels64 User- sechs neue Maustreiber. Die Toolbox wird benötigt, wenn man den SuperRam als SystemRam benutzt, außerdem gibt es einige kleinere Buxfixes gegenüber der alten Version. Die neuen Maustreiber sind ca. 30 Bytes kleiner als die bisherigen, um Speicherkollisionen mit den neuen 65816 Interrupt-Vektoren zu vermeiden.

Nach der Installation sollte man Wheels neu booten, damit die neue Toolbox läuft und ein neuer Maustreiber ausgewählt werden kann, dann kann THE WAVE gestartet werden. Hier finden wir am oberen Rand die übliche Menüleiste mit den Punkten wheels, file, open und options. Auf diese kommen wir gleich noch zurück. Unter der Menüleiste befindet sich eine Navigationsleiste mit zwei Pfeilen (zurück und vorwärts), einem Reload-Icon und einem Wave-Icon zum Aufruf der Startseite. Unter der Navigationsleiste befindet sich ein URL-Bar, in dem die Adresse der aktuellen Seite angezeigt wird.

Die Menüs
Kommen wir nun zur bereits erwähnten Menüleiste. Unter wheels verbirgt sich nur die Option quit zum Verlassen von THE WAVE. Der Punkt file bietet die Auswahl save source, view source, render source und view header. Mit save source kann man den Quelltext der aktuellen Seite speichern, um ihn später mit GeoWrite zu bearbeiten. View source zeigt den Quelltext unter THE WAVE an; mit render source kann man den Quelltext wieder als grafische Seite anzeigen lassen und view header zeigt Informationen über die Seite an. Hinter dem Menüpunkt open finden wir eine ganze Reihe Optionen.
Als erstes wäre da das ISP Directory. Ein Klick hierauf lässt eine Auswahlbox erscheinen, in der alle bisher eingetragenen Provider angezeigt werden. Dies ist sozusagen so eine Art Telefonbuch, wie unter Novaterm. Rechts neben dem Fenster sind einige Buttons angeordnet, die sich größtenteils selbst erklären:
OPEN stellt eine Verbindung zu dem im Fenster markierten Provider her, mit EDIT kann man den Eintrag verändern. Wählt man diesen Punkt, erscheint ein Fenster mit den Daten dieses Eintrags. Diese entsprechen denen, die beim Anlegen eines neuen Eintrags abgefragt werden (siehe ADD) und man kann sie in diesem Fenster nachträglich ändern. REMOVE löscht den markierten Eintrag und mit ADD kann man einen neuen Eintrag hinzufügen. Dabei wird zuerst nach dem Account gefragt, der hier eingegebene Begriff erscheint später als Anzeige im ISP-Menü. Als nächstes ist unter Phone Number die Telefonnummer des Providers anzugeben, danach wird nach der Login-Methode gefragt. Bei PAP und Auto wird anschließend nach username und password gefragt. Wählt man Manual, so wird die Eingabe dieser Daten erst bei der Einwahl gefordert. THE WAVE fragt nun nach der Primary und Secondary DNS. Wenn man einen Zugang mit dynamischer DNS-Zuweisung hat, wählt man "My Provider will...", ansonsten muss man beide Nummern (werden vom Provider zusammen mit login und passwort mitgeteilt) angeben.
Der letzte Button im ISP-Directory ist CANCEL, mit dem man dieses Fenster wieder verlassen kann.
Die folgenden Optionen im Menü open erklären sich eigentlich auch selbst. THE WAVE bietet nicht nur einen grafischen Webbrowser, sondern hat auch ein Terminalprogramm integriert. Mit new terminal kann eine neue Terminalverbindung erstellt werden, mit existing terminal wechselt man zu einer schon bestehenden Terminalverbindung. Genauso verhält es sich mit new browser und existing browser. Man kann also mehrere Terminal- oder Webbrowser-Fenster zugleich öffnen. Dadurch kann man zum Beispiel in einem Fenster eine neue Webseite betrachten, während in einem anderen Fenster noch der Download einer Datei läuft. Theoretisch könnte man auch per Terminalverbindung einen Download aus einer Mailbox machen und inzwischen im Internet nach Informationen suchen. Allerdings ist nach Anwahl des ersten Providers die Telefonleitung belegt und keine zweite Verbindung möglich.
Man kann aber nicht nur ein zweites Browser- oder Terminalfenster öffnen, sondern aus THE WAVE heraus auch Applikationen oder Hilfsmittel starten. Dazu dienen die Punkte application und desk accessory. Damit ist sozusagen eine Art Multitasking möglich, was z.B. das Erstellen oder Ändern von Webseiten zum Kinderspiel macht. Den Quellcode kann man sich mit THE WAVE anzeigen lassen (file -> view source) und als GeoWrite-Datei speichern (file -> save source), dann kann man GeoWrite direkt aus THE WAVE heraus starten, den HTML-Code ändern und speichern und dann wieder zu THE WAVE zurückkehren. Hier kann man mit dem Punkt view local file im Menü open die soeben editierte Datei laden und anzeigen und sich so gleich ein Bild von den Änderungen machen.

Bleibt noch das Menü options. Hang up beendet die aktuelle Verbindung. Mit dem Punkt interface address kann man die Adresse der RS232-Schnittstelle einstellen, für SwiftLink und Turbo232 dürfte das z.B. im Allgemeinen $de00 sein. Unter Modem settings lässt sich das Modem ganz individuell konfigurieren. Hier wird z.B. nach An- und Abwahlstring gefragt und es können noch weitere Modembefehle eingetragen werden. Mit Hilfe der letzten beiden Punkte lässt sich die Schriftgröße im Browser-Fenster beeinflussen. Es gibt sieben Punktgrößen in jedem Font, die von 6 bis 24 reichen können. In HTML werden diese Punktgrößen jedoch nicht angegeben, stattdessen verwendet man relative Größen. Die Default-Schriftgröße wird als "0" definiert, daher steht im Normalfall font bigger (+1) und font smaller (-1). Mit font bigger wird die nächstgrößere Punktgröße eingestellt, dann ist die nächstgrößere Schrift +2 und die nächstkleinere wäre 0. So sehen dann auch diese Menüpunkte aus: font bigger (+2) und font smaller (0). So läßt sich, je nach Bedarf, die Schriftgröße zwischen -3 und +3 verändern.

The WaveZOOM

Die Navigation
Nach dem Start des Browsers wird automatisch die Datei START64.HTML bzw. START128.HTML geladen. Das ist sozusagen die Startseite von THE WAVE, die defaultmäßig Links zum Online-Handbuch sowie einigen interessanten Commodore-Seiten im Internet enthält und beliebig nach eigenen Gesichtspunkten verändert werden kann. Durch Klick auf den Link zum Online-Handbuch werden die entsprechenden Dateien vom lokalen Laufwerk geladen. Klickt man auf den Link zu einer Internetseite, versucht THE WAVE, eine Verbindung aufzubauen und öffnet das ISP-Directory, wo man einen Provider auswählen und mit OPEN die Anwahl starten kann. In der URL-Zeile kann man verfolgen, wie viele Daten der Seite und mit welchem Datendurchsatz sie geladen wurden. Ist die Seite komplett im Speicher, wird sie gerendert und der Fortschritt mit einem Balken am rechten Rand dargestellt. Wenn das Rendern komplett ist, wird die Seite dargestellt und der Balken rechts wird zum Scrollbalken.
Das Bewegen durch das Web funktioniert durch Klick auf entsprechende Links oder direkte Eingabe einer Adresse. Ein Klick in die URL-Zeile (oder auf die Pfeile rechts daneben) aktiviert den Textcursor und ermöglicht die Eingabe. Im Gegensatz zu den Web-Browsern auf anderen Computersystemen muß bei THE WAVE bei einer WWW-Adresse unbedingt http:// mit eingegeben werden. Die Vor- und Rück-Pfeile in der Navigationsleiste funktionieren in der Version 1.0 noch nicht, offensichtlich werden noch keine Seiten gecached. Mit dem Reload-Icon kann man die aktuelle Seite neu laden und ein Klick auf das Wave-Icon bringt die Startseite wieder auf den Bildschirm.
Alle Text-Informationen werden korrekt dargestellt, Bilder werden nicht angezeigt. Wenn jedoch zu dem Bild ein Alternativtext existiert, wird dieser anstelle des Bildes angezeigt. Ist hinter dem Bild ein Link zu der entsprechenden Grafikdatei hinterlegt, so kann man das Bild downloaden und später mit einem Viewer oder Grafikprogramm betrachten. Der Download von Dateien (nicht nur Bilder, auch Web-Seiten und alle anderen Files, solange sie als Link dargestellt sind) geschieht, indem man den Mauszeiger über den Link positioniert, so dass dieser markiert erscheint. Dann drückt man "d" und schon fragt THE WAVE, wo die Datei gespeichert werden soll. Wenn man den Link jedoch anklickt, versucht THE WAVE, die Datei als Text darzustellen; bei einer Bilddatei erscheinen natürlich nur wirre Zeichen. Das Laden und Rendern einer Datei kann mit der Run/Stop-Taste abgebrochen werden. Auch beim Ändern der Schriftgröße um mehr als einen Schritt ist dies recht hilfreich. Man kann z.B. auf font bigger klicken, dann Run/Stop drücken und nochmals font bigger wählen. Dadurch muss man bei dem ersten Schritt nicht erst warten, bis die komplette Seite neu gerendert ist und spart Zeit.
Außer bei Bildern muss man noch einige weitere Einschränkungen bei der Darstellung machen. Web-Seiten, die Frames benutzen, kann THE WAVE nicht darstellen. Der einzige Ausweg ist hier, wenn im Quelltext des Framesets noch eine Seite ohne Frames oder wenigstens ein Link dahin angegeben ist. Java und Scripts können gar nicht interpretiert werden, dadurch sind alle Seiten, bei denen eine Texteingabe erforderlich ist, (Shopping-Seiten und leider auch Suchmaschinen) für THE WAVE noch nutzlos. Bedingt durch die geringe Auflösung unseres C64/128 werden die Seiten horizontal eher umgebrochen, als bei Computersystemen mit höherer Bildschirmauflösung. Bei reinen Textseiten stört das überhaupt nicht, doch schon wenn z.B. Tabellen zur Formatierung einer Seite benutzt werden, kann das Layout zerrissen werden. Vielleicht wird es ja in einer zukünftigen Version auch einen horizontalen Scrollbalken geben, der dieses Problem behebt.

Fazit
THE WAVE ist der allererste Webbrowser für den C64/128 und sogar ein grafischer. Das allein ist schon eine Empfehlung wert. Maurice Randall öffnet uns damit eine Tür, die vor einiger Zeit für uns noch fest verriegelt schien. Natürlich muss man dafür schon gewisse Mindestvoraussetzungen an die Hardware stellen. Aber bedenkt man, was das für Leute sind, die dem alten Commodore nach wie vor die Treue halten, so kann man wohl davon ausgehen, dass ein Großteil dieser User heute über eine SuperCPU und andere CMD-Produkte verfügt. Die Version 1.0 von THE WAVE ist ein Anfang, der sicher die Erwartungen vieler Fans schon übertrifft. Das Potential, das darin noch schlummert, ist jedoch riesig. Wir dürfen also mit Sicherheit gespannt sein, was die Zukunft noch für uns bereit hält. Und mit Sicherheit werden wir C64/128-Freaks weiterhin irgendwann alles bekommen, wonach genügend Leute lange genug rufen. Aber vergesst bei allen Wünschen nicht, den Programmierern auch mal dafür zu danken, was sie für uns vollbringen, um ihnen ein wenig Motivation zum Weitermachen zu geben.

In diesem Sinne: Danke, Maurice Randall!


 




Dieser Artikel ist Bestandteil von:

Ausgabe 72

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Letzte Änderung am 01.11.2019