Logo: Geos Online Print Archiv
G.O.P.A. - Geos Online Print Archiv
03.10.2022 Archiv  #  Recherche  #  Links  #  Kontakt  #  Gästebuch  #  Impressum

Index
Register
Login

Die Anzeige des Archivs erfolgt grafisch. Ändern

Geos 64 goes PC ... oder eigentlich ist es ja Frevel...

Autor: Werner Weicht

Auf Grund der Anfrage eines Geos-Anwenders ans Amerika (Hallo Horst ...) habe ich mich einmal längere Zeit ausführlicher damit beschäftigt, ob und wie es möglich ist, das Commodore-Geos auch auf einem PC zum Laufen zu bekommen. Es gibt eine Reihe von C64-Emulatoren für PC, von denen ich mit fünf einige Zeit experimentiert habe. Als Test-PC diente mein Pentium MMX mit 166 MHz. Eines gleich vorweg: es ging mir dabei nur um Geos. Ob oder wie andere Programme (z. B. Spiele) mit den Emulatoren klarkommen, hat mich absolut nicht interessiert.

Das erste Problem war, wie bekomme ich die Geos-Systemdtskette auf PC. Das einfache Kopieren der Diskette mit dem StarCommander z.B. in ein D64-File konnte nicht funktionieren, da dabei der Kopierschutz im Wege steht. Aul der Brotkasten CD-ROM befindet sich ein Programm, welches eine 1:1 kopierte Geos 64-Bootdisk so ändern soll, daß Emulatoren wie PC64 und C64S diese problemlos laden können sollen. Dies hat bei mir nicht funktioniert. Das Programm meldete zwar, daß die Bootdisk korrekt geändert wurde, aber keiner der getesteten Emulatoren konnte damit etwas anfangen. Spätestens wenn der Geos-Grafikbildschirm erschien, ging es nicht mehr weiter. Ob es nun an meiner System-Diskette oder den neueren Versionen der Emulatoren lag, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall funktionierte es nicht.
Nach einigen Experimenten und Gesprächen wurde die Idee geboren, es einmal mit Geos-Bootdisketten zu probieren, die mit CMD's GeoMakeBoot erzeugt wurden. Diese besitzen nicht den Kopierschutz wie die Originale und können mittels StarCommandcr, 64NET, geo-Convert97/d und geoDOS, sowie einigen anderen Programmen für C64/128 oder PC problemlos in ein D64-File kopiert werden. Das stellte sich dann als gangbarer Weg heraus.


1. PC64
Die Entwicklung dieses C64-Emulators (Autor: W. Lorenz) wurde Mitte 1997 eingestellt.
Das Programm (jetzt PD) und die Quelltexte wurden freigegeben. Die letzte Version ohne irgendwelche Shareware-Einschränkungen für DOS ist 1.22. Über ein spezielles Kabel kann hier ein C64 angeschlossen werden und dann auch auf die Laufwerke an diesem C64 zugegriffen werden. Letzteres habe ich nicht probiert. Leider ist es mir nicht gelungen, Geos 64 als D64-File auf diesem Emulator zum Laufen zu bekommen.
 

2. Frodo64
Hier gibt es verschiedene Versionen für verschiedene Betriebssysteme. Getestet habe ich Version 4.la für Windows 95 (Autor: Chr. Bauer/ J.R. Sladkey}. Dieser Emulator ist frei im Internet (http://www.uni-mainz.de/>tilde<bauec002/ erhältlich und bieter einige interessante Funktionen (bis zu 4 Laufwerke, RAM-Erweiterung bis 512 kB), doch Geos konnte ich auch hier nicht zum Leben erwecken. Während des Ladens erscheinen immer Fehlermeldungen: "Illegaler Opcode", "Systemtehler nahe ..." oder manchmal auch "Bitte Disk mit DESKTOP einlegen...", obwohl der im D64 enthalten ist.
Allerdings wird Frodo noch weiterentwickelt und eine direkte Unterstützung von Geos ist auch geplant.


3. C64S
Dieser Emulator für DOS von M. Peternel (http://www.phs-edv.de/c64s/, aktuelle Version V2.52) setzt mind. einen 486DX33 voraus. Über ein X1541-Kabel (ein entsprechendes Interface gehört zum Komplettpaket) kann ein Laufwerk 1541 angeschlossen werden, die PC-Maus wird unterstützt (besonders für Geos günstig) und es wird eine REU 1570 emuliert. Außerdem gehören zwei Programme zum Lieferumfang, die 1541-Disketten als D64-File auf PC speichern. Das zweite benutzt dazu ein neues D64-Format, mit dem kopiergeschützte Disketten kopiert werden können. Das hat bei mir mit den originalen GEOS-Bootdisketten aber nie funktioniert. Das erste arbeitet problemlos mit "normalen" 1541-Disketten, so daß das kopieren der GeoMake-Boot-Boordisk kein Problem darstellt.

Geos arbeitet hier problemlos. Die PC-Maus kann als Maus bzw. ein PC-Joyslick auch als Joystick benutzt worden, zwei RAM 1541 oder eine RAM 1571 sind konfigurierbar. Es lassen sich also maximal 3 Laufwerke nutzen. Es ist zwar keine Power-Ausstattung, aber man kann schon recht gut damit arbeiten. Allerdings kann in Geos nicht auf ein echtes 1541-Laufwerk zugegriffen werden. Man muß also alles als D64-File aut dem PC haben.
Die Geschwindigkeit der 1541-Emulation liegt aut meinem Pentium MMX mit 166 MHz etwa bei der Geschwindigkeit einer echten 1541. Da sich die Geschwindigkeit der Emulation im Emulator einstellen läßt, kann Geos noch um einiges beschleunigt werden. Allerdings sollte man das nicht übertreiben, da dann keine vernünftigen Tastatureingaben oder kein Doppelklick mit der Maus mehr möglich sind. Die emulierte RAM arbeitet wesentlich schneller und wird als File auf Festplatte abgelegt. Dadurch kann auch problemlos und schnell Geos per REBOOT gestartet werden.


4. CCS64
Der als Shareware (30$ Registrierung) vertriebene Emulator CCS64 (DOS) von P. H. Sundall (http://ccs64.fatal-design.com/) erhebt für sich den Anspruch, der beste C64-Emulator werden zu wollen. Die aktuelle Version i .09 ist davon noch ein wenig entfernt. Vorausgesetzt wird mindestens ein Pentium PC. Mit weniger sollte man es gar nicht erst probieren, da die Geschwindigkeit massiv leidet. Es wird nur eine 1541 emuliert. Geos 64 läuft auch hier als D64 (GeoMakeBoot) problemlos. REU oder Maus werden nicht unterstützt, PC-Joystick ist möglich, habe ich allerdings nicht testen können. Man kann Geos aber trotzdem bedienen, da eine Joystick-Steuerung mit der Tastatur konfigurierbar ist. Die Konfiguration mit einer 1541 ist zwar für Geos nicht unbedingt zu empfehlen, da jedoch Diskwechsel (umschalten auf ein anderes D64-File) möglich sind, kann man zumindest damit arbeiten. Die Geschwindigkeit entspricht auch hier etwa einer echten 1541.

Derzeit wird CCS64 weiterentwickelt. Folgende Funktionen sind u.a. geplant: Mausunterstützung, vier 1541 können emuliert werden, RAM-Emulation bis 16MB!, verschiedene CBM-DOS-Versionen möglich. Eine Betaversion steht bereits im Internet unter http://www.computerbrains.com/ccs64down.htm [1] zur Verfügung. Diese sieht jetzt schon recht vielversprechend aus, obwohl noch nicht alle neuen Funktionen integriert sind. In der Beta kann man zum Beispiel 4 1541-Laufwerke emulieren. Allerdings können davon derzeit nur zwei unter Geos genutzt werden, da neoch keine REU-Unterstützung existiert. Sollten alle vorgesehenen Funktionen realisiert werden, wird CCS64 dem oben erwähnten Anspruch durchaus gerecht und auch für Geos64 eine sehr interessante Wahl.


5. VICE
Kurz vor Redaktionsschluß wurde ich noch auf diesen Emulator aufmerksam. Es existieren verschiedene Versionen für verschiedene Plattformen. Ich habe die DOS-Version V0.14.2 getestet. Vice gibt es kostenlos im Internet unter http://www.tu-chemnitz.de/>tilde<fachat/vice.
Er bietet 3 emulierte 1541. REU-Emulation (512 kB) und PC-Joystick-Unterstützung. Geos ließ sich auch hier problemlos als D64 starten. Trotz der 3 möglichen 1541 kann in Geos aber nur eine 1541-Floppy emuliert werden. Geos-Start per REBOOT ist auch hier möglich. Als Eingabegerät kann ein PC-Joystick oder eine Joystick-Emulation per Tastatur gewählt werden.


Fazit
Es geht also doch, Geos 64 läuft auch auf PC. Nach aktuellem Stand (Mitte Juli) ist C64S sicherlich die beste Lösung. Allerdings ist er auch recht teuer (Kosten: 69 - 149 DM, je nach Ausstattung). Aut dem 2. Platz sehe ich VICE, der kostenlos erhältlich ist. CCS64 ist in der aktuellen Version, wenn auch etwas eingeschränkt nutzbar. Wenn die neue Version von CCS64 verfügbar ist und die vorgesehenen Funktionen integriert sind, kann ich ihn auch uneingeschränkt empfehlen.
Um die Emulationen unter Geos zu testen, habe ich zunächst alle Standard-Programme (Write, Paint, File, Calc) ausprobiert. Unterstützt der Emulator auch REU-Emulation, so konnte ich auch mit RamProcess und FileBrowser oder mit RamDesktop (Topdesk V3.2) keinerlei Probleme feststellen. Wenn diese eller speziellen Sachen lauten, kann man schon davon ausgehen, daß die Emulation recht gut und kompatibel ist.

Wem nützt das ganze nun? Verstellbar ist zum Beispiel, Geos 64 aut einem Notebook auch unterwegs nutzen zu können. Vielleicht findet auch der eine oder andere PC-User zu den Ursprüngen C64 und Geos zurück. Eines bleibt aber auf jeden Fall zu sagen: Das Original, sprich Geos 64 aut einem echten C64 ist um Längen besser als irgendeine Emulation. Womit ich wieder am Anfang bin. Eigentlich ist es ja Frevel ...

 

Werner Weicht

[1] http://www.computerbrains.com/ccs64/


 




Dieser Artikel ist Bestandteil von:

Ausgabe 59

! - - - - - M I C R O F I L M - - - - - ! | Editorial | News Regio Baden | Leserbrief | Neues von Geos 64 / 128 | MegaTools V2 | Geos 64 goes PC ... oder eigentlich ist es ja Frevel... | Farbdruck in GEOS 64/128 | wheels 64 ist verfügbar | ODS Artworks stellt GEOS Produkte ein. | MegaPatch 3 | Aktuelles ... im August | ND Office Beta | Opti-Fonts & Euro-Zeichen | Der Euro und NewDeal | NewDeal FontCollection | NewBASIC Beta 3 - (weiter geht's - Teil 2) | NewBasic Magazin | Nokia 9000 Communicator als Faxmodem | Fax Funktion in NewDeal Office Beta 3 | Aktueller Nachtrag zu NewDeal Office v3.0 | Aufruf an alle Programmierer | Breadbox News | Window List | Internet Angebote des Geos User Club


Kurzlink hierhin: http://geos-printarchiv.de/2804


Letzte Änderung am 01.11.2019