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Opti-Fonts & Euro-Zeichen

Autor: Burkhard Oerttel

Per 1.1.99 gilt der EURO als offizielle Währung in den meisten Staaten der EU.
Als ob es mit der Währungsumstellung nicht schon genug Probleme gäbe, hat die Europäische Kommission auch noch das Euro-Zeichen als Währungssymbol erfunden und damit die Software-Hersteller einigermaßen überrascht.

Der Dollar hat es, das Pfund und der Yen haben es auch, selbst der Gulden hat es, also ist es nur recht und billig, wenn die europäische Syntho-Währung auch ein eigenes Signet bekommt. Wie man es von den Eurokraten gewohnt ist, haben sie auch hier "ganze Arbeit" geleistet. Der Beschreibung nach soll es ein "E" für "Euro" symbolisieren. Ah ja! Wenn Du die Abbildung betrachtest und zu der Auffassung gelangen, Du müßtest mal zum Augenarzt, lass es! Es sieht tatsächlich wie ein doppelt durchgestrichenes C aus.

Auch weitere Überlegungen führen zu dem Schluß, daß die selbsternannten Typografen von Computern wenig und von Schriftgestaltung gar keine Ahnung hatten. Anders als die bisher gängigen Währungszeichen, die sich völlig (Dollar, Cent und Yen) oder zumindest annähernd (Pfund und Gulden) der jeweiligen Schriftart anpassen, ist das Euro-Zeichen komplett vermaßt und bewinkelt, da bleibt für "typografischen Schnickschnack" kein Raum. In Brüssel ist man total erstaunt, daß Schriftgestalter aus aller Welt gegen diese bürokratische Festlegung Sturm laufen.
Aber vermutlich wird sich kein Schriften-Designer an die Vorgaben halten. Mit Restriktionen muß man nicht rechnen, also paßt man das Zeichen der jeweiligen Schrift mehr oder weniger an. Bereits jetzt sind Fonts mit "gefälligeren" Euro-Signets auf dem Markt. Natürlich auch für Geos, siehe unten.

Ein anderes Problem ist ein technisches: Die bisher üblichen Zeichensätze haben 256 Positionen, 32 davon sind für Steuerzeichen reserviert (ein Relikt aus alten DOS-Zeiten), die restlichen Plätze sind belegt. Wohin also mit dem neuen Zeichen? Auch dafür hat die EU-Kommission Patentrezepte parat. Es gibt ja schließlich die neuen Unicode-Schriften, die haben sehr viel mehr Platz zur Verfügung, dort soll das Zeichen auf der Position 20AC (hexedezimal) eingefügt werden. So weit, so gut. Doch leider unterstützt die heute gängige Software die Unicode-Technik noch nicht. Windows NT5, 98 und CE2.1 sollen mit Unicode zurechtkommen, doch die gibt es noch nicht. Für NT4.0 hat Microsoft einen Patch angekündigt, da dürfte es dann kein Problem mehr geben. Aber was ist mit den anderen Betriebssystemen?

An Unicode ist bei Windows 95 und Vorgängern nicht zu denken. Wer noch DOS-basierte Programme benutzt, kann den Einsatz des Euro-Symbols gleich vergessen, da geht gar nichts! Aber die klugen Brüsseler Europa-Diener haben einen Notbehelf eingeplant: Die ISO-Norm 8859-1, welche die Grundlage für die hiesige Verteilung von Druckzeichen auf den 256 Plätzen des Standard-Zeichensatzes "Latin-1" bildet, soll durch ISO 8859-0 abgelöst werden. Die enthält - oh Wunder - das Euro-Zeichen auf Position A4 (hexadezimal), gleich zwischen Pfund und Yen, wie sinnig. ISO 8859-1 wies bisher schon diese Position als allgemeines Währungssysmbol aus.

Pech für Microsoft, die dieses Währungszeichen (Kreis mit dahinterliegendem Kreuz) zur Tabellenkennzeichnung in Word benutzen. Sieht schon lustig aus, wenn dann bei eingeschalteten Sonderzeichen in jeder Tabellenzelle ein Euro-Zeichen steht! Dennoch, Microsoft ist wild entschlossen, das Euro-Zeichen in seine Standard-Fonts einzuführen. In Kürze sollen Arial, Comic, Courier, Monotype und Times kostenlos als Update verfügbar sein.

Fünf Schriften mit dem Euro-Zeichen, ganz schön spärlich. Die kommerziellen Schriftenanbieter werden hoffentlich bald nachziehen, aber ob sie das Euro-Update auch kostenlos anbieten werden, ist fraglich. Noch weit weniger Chancen dürfte man bei den tausenden von Shareware-Schriften haben.

Hier haben ausnahmsweise mal die Geos-User die Nase vorn, denn inzwischen (per 11.06.98) steht eine erkleckliche Auswahl aus dem berühmten Opti-Fonts-Programm mit Euro-Signet zur Verfügung.
Ich habe vor, die gesamte Kollektion bis zum Jahresende umzustellen. Werni Grieder wird aktuelle Infos über die Verfügbarkeit ins Netz stellen. Voraussichtlich werden die überarbeiteten Fonts nacheinander in vier Paketen angeboten werden, ab 1999 dann nur noch komplett. Dabei wird übrigens nicht nur das Euro-Zeichen eingearbeitet, gleichzeitig kommt es auch noch einer Ausweitung der Schriftenpalette, so daß also wirlich was geboten wird für's Geld.

Der Empfehlung der EU, das Zeichen mit der Tastenkombination AltGr+e aufzurufen, bin ich aus pragmatischen Gründen nicht gefolgt: Beim Konvertieren vom Arbeitsformat unter Windows ins Nimbus-Q-Format für Geos landet das Zeichen automatisch auf der Position, die mit AltGr+Shift+4 aufzurufen ist, also "hinter" dem Dollar ... auch nicht schlecht. Außerdem ist AltGr+e auf der Geos-Tastatur schon mit einem diakritischen Zeichen belegt. Sollte außer mir noch jemand auf die Idee kommen, Geos-Fonts mit Euro-Zeichen auszustatten (was ich für unwahrscheinlich halte :-)), wird er sicher auch keine bessere Idee haben. Und außerdem darf ich, der ich eindeutig die meisten Fonts für Geos publiziert habe, auf diesem Sektor ja wohl mal einen Standard setzen. (Wo bleibt New Deal eigentlich mit der Ergänzung seiner Fonts?)

Werni hat viele Anfragen bekommen, was mit der Font-Aktualisierung ist. Häufig wurde dabei geäußert, daß man von uns eine kostenlose Nachlieferung erwartet. Sorry, aber damit ist nichts! Auch wenn Ihr es nicht glaubt, aber da steckt harte Arbeit drin. Ich habe mir den Spaß gemacht, mal alle Arbeitsschritte zu protokollieren:

  1. Font öffnen
  2. Buchstabe C nach Position A4 (164) kopieren
  3. Einzeldarstellung 500% einstellen
  4. Diagonale zeichnen
  5. obere Spitze an Diagonale anpassen, Bögen ausgleichen
  6. untere Spitze abschneiden und schließen
  7. Rechteck für Querstrich zeichnen
  8. Rechteck in Parallelogramm umwandeln und an Diagonale ausrichten
  9. Parallelogramm kopieren
  10. Parallelogramm senkrecht nach unten schieben
  11. rechte Kante des Parallelogramms an Diagonale ausrichten
  12. Diagonale löschen
  13. Bauch des C und beide Parallelogramme an den Kreuzungspunkten aufschneiden (16 Schnitte)
  14. 8 überflüssige Linienfragmente löschen
  15. Schnittpunkte miteinander verbinden (4 Aktionen)
  16. fast immer Schnittpunktlagen und gelegentlich Bögen nacharbeiten
  17. komplettes Zeichen nach rechts schieben
  18. Zeichenbreite verändern
  19. Font speichern
  20. Font ins Nimbus-Format konvertieren
    ------------------------------------------
    (bis hierhin Wiederholung pro Schnitt, alles unter Windows)
  21. Wechsel nach DOS
  22. mit FontPrep Schnitte zusammenfassen
  23. Start Geos 1.2
  24. Aufruf Font-Konverter
  25. Fonts nach Nimbus-Q konvertieren
  26. Neustart Geos 1.2
  27. Kontrolle der konvertierten Fonts in GeoWrite
  28. Geos 1.2 beenden
  29. Start GeoDir oder GeoFont
  30. pro Font DOS-Namen, Font-ID und Kennung für Font-Verwalter ändern


FERTIG!

Ehrlich, ich sehe es überhaupt nicht ein, nächtelang für naß zu arbeiten. Wer Euro-Ergänzungen haben möchte, der kann sich bitte auch finanziell an der Arbeit, die darin steckt, beteiligen. Sind doch eh nur Peanuts, wenn Du das mal auf die einzelne Schrift umrechnest.
Es gibt auch kein verbilligtes Update, alle Fonts der Opti-Euro-Kollektionen werden zum gleichen Preis angeboten.

Einige streuen wir gratis als Download unter's Geos-Volk, damit Ihr seht, daß diese Schriften wirklich ok sind.

Diese Schriften sind keine Freeware, Shareware oder Public domain!!! (Ausnahmen: Martin Vogels Symbole und die Perry-Rhodan-Schriften, die sind gemäß Vereinbarung mit den Urhebern Freeware; ebenso die Grieder-Schriften.) Ich weiß, daß meine Fonts auf den abenteuerlichsten Wegen vervielfältigt wurden und werden, man kann es schlecht verhindern, aber an dieser Stelle muß mal auf die Urheberrechtslage hingewiesen werden.

Die Dateien werden einfach ins Verzeichnis USERDATA\FONT kopiert, fertig. Bestehende Schriften MÜSSEN überschrieben werden, die DOS-Namen und Font-IDs sind identisch!
So, das wär's. Viel Freude mit dem Euro! Wie sagte doch Peter Ustinov: "Wir müssen uns für Europa an der Schweiz ein Beispiel nehmen. Die Schweizer sind zwar gegen Europa, aber dennoch: In der Schweiz gibt es Leute, die sprechen eine Sprache, die ähnlich wie Deutsch klingt; dann gibt es welche, deren Sprache klingt so ähnlich wie Französisch; und dann noch welche, da klingt es fast wie Italienisch. Diese Leute können alle nicht miteinander. Aber wenn sie von außen angegriffen werden, dann sind sie plötzlich alle Schweizer!"

In diesem Sinne
Burkhard Oerttel
Juni 1998

 

 

 




Dieser Artikel ist Bestandteil von:

Ausgabe 59

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Letzte Änderung am 01.11.2019