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Berührungsängste ?

Autor: Rolf Stegmann

Seit etwas mehr als einem halben Jahr gibt es GEOS für den PC, programmiert von der Softwareschmiede GeoWorks, ehemals Berkeley Softworks. "Unser" GEOS auf einem, wie es so schön heißt, IBM-kompatiblen Personalcomputer? Ja und auch nein! Wie ich das meine?

Die Software, beziehungsweise das Betriebssystem PC/Geos ist ungleich leistungsfähiger, als unser GEOS 64/128. Dies begründet sich einerseits in der völlig verschiedenen Architektur der Personalcomputer zum Commodore 64/128. Andererseits werden für den PC-Einsatz höhere Leistungsmaßstäbe gesetzt, als dies im Heimcomputersektor nun mal der Fall ist. PC-Software wird in Betrieben, Büros, in der Industrie und in der Verwaltung eingesetzt - also im professionellen Bereich. Den Softwareentwicklern geht es um Marktanteile, betriebswirtschaftliche Komponenten - die Konkurrenz schläft nicht! Und der größte Konkurrent, gegen den GeoWorks mit PC/Geos antritt, ist wohl Microsoft mit seinem Windows 3.0.
Doch was ist nun PC/Geos? Vor allem - was ist es für den C64/128 Anwender, der auf seinem Schreibtisch schon ein Plätzchen für den zukünftigen PC freigeräumt hat?

Betrachten wir kurz die Hardware: Der PC besitzt in der Regel außer einem Diskettenlaufwerk eine Festplatte als Massenspeicher. Heutige PC's haben Festplatten mit einem Speichervermögen von mindestens 20 Megabyte, gängig sind 40 Megabyte und mehr. Zur Erinnerung: 1 Megabyte = 1024 Kilobyte = ca. 200 Schreibmaschinenseiten. Das PC-Betriebssystem MS-DOS (Disk Operating System) arbeitet also nicht "diskettenorientiert" im eigentlichen Sinn, wie es bei C64/128 Software der Fall ist. Für den PC erworbene Software wird in den meisten Fällen auf die Festplatte überspielt, oder im Fachjargon "auf der Festplatte installiert". Dies ist auch bei PC/Geos der Fall.

Die Installation ist aus zwei Gründen notwendig: Zum einen ist GeoWorks Ensemble, das PC/Geos Grundpaket, so umfangreich, daß man, wenn es nur auf Diskette zur Verfügung stünde, mit dem Diskettenwechsel nicht mehr nachkäme - die Arbeitsgeschwindigkeit des Computers würde gen Null sinken. Die Speicherverwaltung und Komplexität von PC/Geos machen ein Betreiben von Diskette unmöglich. Zum zweiten wird GeoWorks Ensemble bei der Installation "entpackt". Die Software liegt beim Kauf in komprimierter Form vor - GeoWorks Ensemble wird auf vier 3,5 Zoll- bzw. sieben 5,25 Zoll-Disketten ausgeliefert - nach der Installation belegt es ca 3,5 Megabyte auf der Festplatte. Wenn der Installationsvorgang abgeschlossen ist (er wird von einem sogenannten Setup-Programm automatisch ausgeführt), können wir PC/Geos starten.
Beim ersten Start präsentiert sich dem Anwender der sogenannte "Willkommen-Bildschirm". Mit einem Mausklick (da PC/Geos mit der Maus bedient wird; hat wohl niemand bezweifelt, oder??) wählt man aus drei Programmbereichen, die durch Piktogramme symbolisiert werden: GEOS-Zubehör. GEOS-Studio und DOS-Programme.

Hinter dem GEOS-Zubehör verbergen sich einige kleinere Utilities für den "Computeranfänger": Taschenrechner, Notizblock, Kalender, Adreßkartei, ein Banner-Drucker und das Kartenspiel "Solitaire". Die Bedienung ist bewußt einfach gehalten, dementsprechend auch der Umfang der Programme. Einzig und allein der Banner-Drucker zum Erstellen und Ausdrucken riesiger Schriftzüge auf Endlospapier ist für den expandierenden GEOS 64/128 Anwender von Interesse. Die vorher genannten Hilfsprogramme stehen mit teilweise erheblich erweitertem Umfang auch im GEOS-Studio zur Verfügung. Ein Mausklick auf dem sehr schön gezeichneten gleichnamigen Piktogramm bringt uns dorthin.

Nach kurzem Scharren der Festplatte finden wir uns im PC/Geos DeskTop wieder, nur wird er hier nicht DeskTop, sondern GeoManager genannt. C64/128 GEOS-Anwender treffen alte Bekannte: den Mülleimer bzw. Papierkorb im GeoManager-Fenster unten links, die Laufwerkssymbole unten rechts je nach Anzahl der Laufwerke und Festplattenpartitionen. Da gerade das Wort "Fenster" fiel - alle PC/Geos Anwendungen laufen in frei am Bildschirm positionierbaren und in der Größe stufenlos variierbaren Bildschirm-Ausschnitten, eben den "Fenstern" [ 1 ]. Dem C64/128 GEOS-Anwender sind diese wohl bekannt, nur mit der Einschränkung, daß sie nicht verschiebbar oder in der Größe veränderbar sind. Die berühmte Ausnahme bildet hier der neue C64 DeskTop namens "TopDesk". Dieser arbeitet auch mit beweglichen Fenstern. Wird allerdings ein Anwendungsprogramm gestartet, füllt dies den gesamten Bildschirm.
Bei PC/Geos kann dies auch so sein, muß aber nicht. Denn jetzt kommt das einzigartige. PC/Geos ist voll multitaskingfähig [ 2 ] und dies auch auf langsamen XT's [ 3 ], welche im Gegensatz zu ihren größeren und schnelleren AT-Kollegen [ 4 ] kein hardwareunterstütztes Multitasking bieten. Was ist Multitasking? Nun, stellen Sie sich vor, Sie starten GeoWrite und schreiben einen Brief. Sie möchten eine Skizze einfügen und starten das Zeichenprogramm GeoDraw aus GeoWrite heraus! Jetzt sind beide Programme, GeoWrite und GeoDraw, aktiv. Aus GeoDraw starten Sie dann GeoComm, das Terminalprogramm, und daraus z. B. das Voreinstellungsprogramm oder die Adreßverwaltung GeoDex. Alle Programme, die Sie jetzt gestartet haben bleiben aktiv, das heißt, Sie können blitzschnell zwischen ihnen wechseln, oder mehrere gleichzeitig auf dem Bildschirm - eben in Fenstern - darstellen! Bevor ich aber ob dieser fantastischen Möglichkeit in grenzenlose Euphorie ausbreche, mache ich lieber mit der Beschreibung des GeoManager-Fensters weiter.

Am oberen Bildschirmrand ist, wie bei GEOS 64/128, eine Menüleiste. Folgende Pull-Down-Menüs sind verfügbar: Datei - Baum - Ansicht - Optionen - Disk/Platte - Fenster. Oberhalb der Menüleiste befindet sich ganz links der Schließknopf zum Beenden der aktiven Applikation und daneben der sogenannte Expressknopf. Zu seiner Bedeutung kommen wir später. Auf gleicher Höhe ganz rechts sind zwei weitere Knöpfe. Sie beeinflussen die Darstellung einer PC/Geos Anwendung (Voll- oder Teilbild) und lassen eine aktive Anwendung auf Wunsch zum Symbol schrumpfen. Diese vier Knöpfe - Schließknopf, Expresssknopf, "Schrumpfknopf" und Größenknopf - sind in allen PC/Geos Anwendungen verfügbar. Der wichtigste von ihnen ist der Expressknopf, dargestellt durch ein stilisiertes E. Mit ihm schaltet man zwischen aktiven GEOS-Anwendungen um und/oder ruft weitere auf. In der Fachsprache ausgedrückt, bietet er eine sogenannte "Task-Liste" in Form eines Pull-Down Menüs. Diese verlängert sich je nach Anzahl der aufgerufenen GEOS-Programme. Im "Express-Menü" finden sich auch noch die Untermenüpunkte Druckersteuerung und Nach DOS verlassen. Der Menüpunkt Druckersteuerung offenbart eine weitere Besonderheit von PC/Geos, welche sich aus dessen Multitasking-Eigenschaften ergibt. Der Ausdruck eines von PC/Geos erstellten Dokumentes erfolgt nämlich im "Hintergrund". Das bedeutet, Sie können während des Druckvorgangs ganz normal am Bildschirm weiterarbeiten und sogar die Applikation wechseln oder beenden. GEOS druckt weiter!
Mehrere Druckaufträge hintereinander sind möglich, während der erste noch in Arbeit ist. Diese werden dann in eine "Warteschlange" geschickt. PC/Geos emuliert auf der Festplatte einen Druckerspooler [ 5 ], welcher die Druckdaten aufnimmt und an den Drucker weiterleitet, ganz so, wie jener sie benötigt. Dies geschieht, wie gesagt, ohne das Sie bei Ihrer Arbeit im Programm aufgehalten werden. Wenn Sie nun mehrere Druckaufträge veranlaßt haben, beispielsweise den Ausdruck von vier GeoWrite- und einem GeoDraw-Dokument, können Sie in einer Dialogbox, welche mit Druckersteuerung aufgerufen wird, nachträglich Druckaufträge stornieren - während der Drucker tätig ist.
Eine kurze Anmerkung vorweg zum Thema Drucker: PC/Geos bietet excellente Druckqualität auf Matrix-, Tintenstrahl- und Laserdruckern. Bei Matrixdruckern ist jedoch ein 24-Nadler einem 9-Nadler vorzuziehen - das Schriftbild wirkt feiner und filigraner, bei Druckauflösungen von 60 x 60, 180 x 180 oder 360 x 360! dpi.

Im "Express-Menü" weiterhin verfügbar ist der Menüpunkt Aufrufen zum (Neu)starten von GEOS-Applikationen. Nach Anklicken werden alle PC/Geos Anwendungen in einem Untermenü aufgelistet und stehen zum Aufruf bereit. Wer bisher die obligatorischen GEOS-Piktogramme vermißt hat - keine Sorge! - die sind natürlich auch vorhanden. Doch eins nach dem anderen... Letzter Menüpunkt im "Express-Menü" ist Nach DOS verlassen. Er dient, dies ist naheliegend, zum Beenden von PC/Geos und Zurückkehren ins Betriebssystem (DOS). Bemerkenswert dabei ist, daß der augenblickliche Zustand des Systems komplett gespeichert wird, also mit aktiven Anwendungen, geöffneten Dokumenten etc. Wenn Sie später wieder PC/Geos starten, finden Sie alles so wieder, wie Sie es verlassen haben. Ein Königreich für vergeßliche Tipper und Faulpelze!
Ans "Verlassen" möchte ich jedoch noch nicht denken, wird es doch jetzt erst richtig interessant! Wenden wir unsere Aufmerksamkeit vier weiteren Symbolen des GeoManager-Fensters zu. Sie erinnern sich, ich erwähnte bereits den Papierkorb und die Laufwerkssymbole am unteren Fensterrand. Ebenfalls befindet sich dort das Symbol einer Weltkugel sowie ein anderes, welches mehrere übereinanderliegende Seiten darstellt, ähnlich dem GEOS 64/128 Piktogramm der GeoWrite-Dokumente. Nach Anklicken der Weltkugel, des "World"-Piktogramms, wird der Inhalt des "World"- Verzeichnisses im GeoManager-Fenster zur Ansicht gebracht.

Ein Verzeichnis ist die computerisierte Form einer Schublade oder eines Aktenschrankes - es können dort viele Dateien unter einem Oberbegriff abgespeichert werden, beispielsweise habe ich mir ein Verzeichnis mit Namen "POST90" angelegt, in dem alle Briefe abgespeichert werden, die ich in diesem Jahr geschrieben habe. So weit, so gut!
Im "World"-Verzeichnis von PC/Geos finden Sie alle Applikationen, die im Grundpaket GeoWorks Ensemble enthalten sind; wenn zu einem späteren Zeitpunkt neue Applikationen erscheinen, werden diese ins "World"-Verzeichnis kopiert und sind so für PC/Geos verfügbar. Wer jetzt die GEOS-typischen Piktogramme erwartet hat - da sind sie! Jede GEOS-Applikation hat ihr Icon, schön gezeichnet und unverwechselbar.

Parallel zum "World"-Verzeichnis gibt es das "Dokument"-Verzeichnis. Dort werden automatisch, wenn man es nicht anders möchte, alle Dokumente abgespeichert, die man unter PC/Geos anzulegen gedenkt. Damit der Überblick nicht verlorengeht, kann man im "Dokument"-Verzeichnis weitere "Unterverzeichnisse" anlegen, die dann mit PC/Geos erstellte Dokumente aufnehmen. Ich hatte es vorhin schon erwähnt, das Piktogramm, welches uns den Inhalt des "Dokument"-Verzeichnisses zur Ansicht bringt, wird durch mehrere übereinanderliegende Seiten symbolisiert.

Im GeoManager-Fenster können mehrere Verzeichnisse (wiederum in Fenstern) gleichzeitig dargestellt werden; sie werden dazu übereinandergestapelt und man kann sie am Bildschirm frei umherbewegen und auch vergrößern oder verkleinern. Durch Anklicken eines solchen "Verzeichnisfensters" wird dieses automatisch in den Vordergrund geholt. Mehrere Verzeichnisfenster machen natürlich nur dann einen Sinn, wenn eine bestimmte Operation auf deren Inhalt angewandt werden soll z. B. das Verschieben einer Datei vom Verzeichnis /DOKUMENT/POST90 ins Verzeichnis /DOKUMENT/POST91. Wenn mehrere Verzeichnisse in "Stapelform" im GeoManager-Fenster erscheinen sollen, kann man dies durch anklicken eines - eindeutigen - Piktogramms des GeoManger-Fensters erreichen. Alternativ dazu läßt sich durch anklicken eines weiteren Icons ein Verzeichnisfenster im GeoManager auf volle Größe bringen - die Normaldarstellung. Diese zwei Piktogramme zur Verzeichnisdarstellung komplettieren den unteren Rand des GeoManager-Fensters.

Endnoten:

[ 1 ] Festplattenpartition: Eine Festplatte wird vom PC wie ein Disklaufwerk behandelt, das wissen wir. Standardmäßig bekommt sie den Laufwerkskennbuchstaben C zugeordnet. Die Buchstaben A und B sind reserviert für die "echten" Diskettenlaufwerke, von denen mindestens eins beim PC vorhanden sein muß. Viele Festplatten haben nun eine Größe von nicht selten 80 oder auch mehr Megabyte. Wenn ich auf solch einem riesigen Speichermedium die Übersicht behalten will, muß ich es aufteilen. Das Laufwerk C (die Festplatte also) wird von einem speziellen Programm in mehrere "Teile" zerlegt, bildlich gesprochen natürlich, den sogenannten Partitionen. Diese bekommen wiederum einen Kennbuchstaben und somit existieren in der Festplatte nun mehrere Laufwerke z. B. "D", "E", "F" usw. Jede Partition wird vom PC wie ein einzelnes (Festplatten)laufwerk behandelt, die Partitionen sind also unabhängig voneinander.

[ 2 ] Multitasking: Das Ablaufen mehrerer Programme auf einem PC scheinbar gleichzeitig. Dazu bekommt jedes gestartete Programm vom Prozessor Rechenzeit zugewiesen.

[ 3 ] XT = eXtended Technology: Computer mit dem Mikroprozessor vom Typ Intel 8086 oder 8088. Wurde Anfang der 80er Jahre entwickelt und ist den Anforderungen moderner Software kaum mehr gewachsen. Eine Ausnahme bildet PC/Geos. Der Programmablauf ist zwar etwas zäh, aber es läßt sich durchaus damit arbeiten.
PC/Geos bietet Multitasking auch auf XT-Computern!

[ 4 ] AT = Advanced Technology: Computer mit dem Mikroprozessor vom Typ Intel 80286, 80386. Die ersten AT's wurden 1985 vorgestellt. Vorteile gegenüber den älteren XT-Kollegen: schneller, mehr Möglichkeiten zum Speicherausbau, hardwareunterstütztes Multitasking.

[ 5 ] Druckerspooler: Ein spezielles Programm, das alle Dokumente verwaltet, die gedruckt werden, und sie an den Drucker weiterleitet. Beim Aufruf der Druckfunktion wird das Dokument in ein besonderes Verzeichnis der Festplatte gedruckt und von dort "häppchenweise" zum Drucker geschickt.

 

Rolf Stegmann

 

 

 




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Ausgabe 19

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letzte Änderung am 01.01.1970