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Berührungsängste (Teil 4)

Autor: Rolf Stegmann

In diesem vierten Teil der allgemeinen Beschreibung von Geoworks Ensemble (PC/Geos) geht es um das Pendant zu GeoPaint, hier GeoDraw genannt.

 

Eine Grafik auf der knapp DIN A4 großen Seite von GeoPaint 64 frei zu positionieren, ist, wenn sie über den Zeichenbereich hinausragt, ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Es muß viel hin- und hergeschoben, kopiert und unter Umständen neu gezeichnet werden. Wenn besagte Grafik nach GeoWrite übernommen werden soll, stellt sich erneut Kopfzerbrechen ein; teilt man sie in zwei Teile, oder läßt man ein Stück weg? Klar, es gibt für solche Vorhaben ein paar Hilfsprogramme, dank findiger Programmierer. Für Einsteiger tun sich trotzdem große Hürden auf, gilt es, den Grenzen des Programms ein Schnippchen zu schlagen.

Ein nicht zu sehr "eingefleischter" GEOS 64/128 Fan sollte mal einem GeoWorks-Anwender über die Schulter schauen, wenn dieser mit GeoDraw, dem Zeichenprogramm aus GeoWorks Ensemble, arbeitet. GeoDraw ist ein objektorientiertes Zeichenprogramm. Dieses Schlagwort in der PC-Welt bedeutet für den GEOS-Anwender eine große Arbeitserleichterung.
Im Gegensatz zu Bitmap-Grafikprogrammen, bei welchen in der Zeichenfläche punktweise gearbeitet werden kann, hat man es bei Vektor-Grafikprogrammen mit Objekten zu tun. Ein Kreis wird zum Beispiel als Ganzes behandelt, es können keine Punkte hinzugefügt oder entfernt werden, einen "Einzelpunktmodus" gibt es gar nicht. Der Kreis ist hier ein "Objekt" und wird als Ganzes in der Zeichenfläche bewegt, egal ob diese nun Notizbuch- oder Postergröße hat. Er kann beliebig vergrößert oder verkleinert werden, ohne dabei an Qualität einzubüßen - skalierungsbedingte Verzerrungen sind hier kein Thema.

Das Zeichen Programm GeoDraw kann ebenfalls aus dem GeoManager von GeoWorks-Ensemble gestartet werden. Automatisch wird, wie auch in GeoWrite, ein neues, leeres Dokument angelegt. Wir sehen die Zeichenfläche und die Menüleiste; natürlich gibt es auch in GeoDraw einen vertikalen und einen horizontalen Rollbalken, mit dessen Hilfe Sie sich in Ihrem Dokument umherbewegen können.
GeoPaint Anwender werden verblüfft sein: "Das ist die Werkzeugleiste?" Jawohl! Ein kleines Kästchen mit acht "Arbeitsicons" schwebt in der Zeichenfläche. Mit diesen acht Icons lassen sich die wichtigsten Bearbeitungsmodi, sowie verschiedene Zeichenformen (Kreis, Rechteck, Polygon, Linie) auswählen. Dazu wird die gewünschte Funktion angeklickt. Gezeichnet wird dann mit gedrückter linker Maustaste. Lassen Sie diese los, wird die Figur beendet (außer bei Polygonen). Die oberen zwei Icons in der Werkzeugleiste repräsentieren zwei Zeiger: einen geraden und einen gebogenen. Wählen Sie den geraden Zeiger, können Sie das eben erstellte Objekt durch anklicken markieren - es erscheinen "Markierungspunkte" an allen vier Ecken eines gedachten Rahmens um das Objekt.
Auch in der Mitte ist ein solcher Markierungspunkt. Wenn Sie diesen anklicken und die Maustaste gedrückt halten, können Sie Ihr Objekt beliebig auf der Zeichenfläche verschieben - und zwar auf der gesamten! Mit den äußeren Markierungspunkten läßt sich das Objekt vergrößern oder verkleinern. Dabei wird ein Rahmen aufgezogen, ähnlich der Editierfunktion in GeoPaint. Lassen Sie die Maustaste los, wird das Objekt neu gezeichnet, entsprechend der Größe des Rahmens. Wählen Sie den gebogenen Zeiger der Werkzeugleiste, lassen sich markierte Objekte um ihren Mittelpunkt bzw. einen der Markierungspunkte beliebig drehen.

Die Menüleiste von GeoDraw bietet weitere Bearbeitungsfunktionen. So kann man zum Beispiel im Lage-Menü die räumliche Position eines Objektes bestimmen. Es kann wahlweise in den Vordergrund oder in den Hintergrund gerückt werden. Auch "Übereinanderstapeln" ist möglich - in beliebig vielen Ebenen.

Das Objekt-Menü ist für punktweises Schieben in jede Richtung zuständig, auch Menüpunkte zum Drehen und Spiegeln von Objekten finden sich hier. Dazu muß das zu bearbeitende Objekt zuerst mit dem Pfeilzeiger angeklickt (ausgewählt) werden, dann die gewünschte Funktion. Hierbei ist es sehr praktisch, die verwendeten Menüs am Bildschirm festzupinnen. Mit den Menüpunkten Linien- und Flächenattribute des Objekt-Menüs lassen sich eine Vielzahl von Effekten auf ausgefüllte oder leere Objekte anwenden. Farben, Muster und Stile sind variierbar. Text kann eingefärbt und in verschiedenen Halbtonstufen dargestellt werden.

Apropos Text! Eine der mächtigsten Funktionen von GeoDraw ist die Texteingabe- und Bearbeitungsmöglichkeit. Nach Anklicken des "T" in der Iconleiste und anschließendem Klicken im Arbeitsbereich kann Text eingegeben werden. Hier stehen ALLE Schriftarten und Schriftgrößen zur Verfügung, die auch in GeoWrite verwendet werden können. Selbst alle Schriftstile und Formatierungen (links- rechtsbündig, zentriert, Blocksatz) sind aus dem Menü Text abrufbar.

Im Gegensatz zu GeoWrite können Textobjekte beliebig am Bildschirm plaziert werden (auch neben Grafiken) und sind JEDERZEIT editierbar, auch nachdem die Textfunktion verlassen wurde. Ich hebe dies so deutlich hervor, weil einmal angelegter Text in GeoPaint 64/128 zur Grafik gehört, sobald die Textfunktion verlassen wird!

Einzelne Objekte, egal ob Text- oder Grafikobjekte, können zu neuen Elementen verbunden werden, indem ein Rahmen um alle zu verbindenden Objekte gezogen wird. Solch ein verbundenes Element kann als ganzes über den Bildschirm bzw. die Seite bewegt werden, auch stufenlose Größenänderungen sind möglich - genau so, wie bei Einzelobjekten. Schon verbundene Objekte lassen sich mit wieder weiteren verbinden, oder auch wieder in Ihre "Einzelteile" zerlegen. Der Nachteil eines objektorientierten Zeichenprogrammes wie GeoDraw: punktweise Bearbeitung einer Grafik ist nicht möglich, eine mit der Importfunktion eingelesene Bitmap-Grafik kann also nicht nachbearbeitet werden, bzw. die "Bearbeitung" beschränkt sich auf eine Größenveränderung.

Noch ein Wort dazu: Grafikelemente, die in GeoDraw angelegt wurden, lassen sich, da sie aus "Vektoren" bestehen, ohne Qualitätsverlust vergrößern und verkleinern. Ihre Form wird bei Größenänderungen stets neu berechnet, ähnlich den Schriftarten in GeoWrite. Wer zu stark verkleinert, kein Problem: die Ansichtsstufen sind in GeoDraw variierbar, von 25 % (Verkleinerung) bis 400 % (Vergrößerung) reicht das Spektrum. In jeder Ansichtsstufe ist das Dokument (wie auch in GeoWrite) voll editierbar!

Ebenfalls wie in GeoWrite können auch in GeoDraw mehrere Dokumente gleichzeitig geöffnet sein, daß Übertragen einzelner Objekte von einem Dokument in ein anderes geschieht mittels des Editieren-Menüs. Grafiken lassen sich in ein PC-GEOS "Sammelalbum" einkleben, welches ähnlich dem GEOS 64/128 Foto-Manager gehandhabt wird. Der Ausdruck in GeoDraw erfolgt wahlweise im Hoch- oder Querformat - von der Pünktchenauflösung bis zum druckkopfmordenden Superdruck. Ist ein GeoDraw-Dokument größer als das eingestellte Papierformat wird es über mehrere Seiten hinweg ausgedruckt. Größere Hinweisschilder und Poster sind so kein Problem.

Ein Umsteiger (oder "PC-Mitbenutzer"), der auf ein Bitmap-Malprogramm nicht verzichten möchte, müßte sich z. B. mit Paintbrush oder ähnlichem anfreunden. Doch ich bin sicher, daß die Arbeitsweise von GeoDraw sehr vielen Zeichenkünstlern und Hobbyillustratoren gefallen wird. Ich möchte sie nicht mehr missen!

 

Rolf Stegmann

 

 

 




Dieser Artikel ist Bestandteil von:

Ausgabe 23

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Letzte Änderung am 01.11.2019