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Etikettenschwindel?

Autoren: Jürgen Heinisch, Frank Kwirandt

Geolabel 3.0 im Test
GeoLabel besteht im großen und ganzen aus verschiedenen GeoDraw Musterdokumenten.
Da gibt es erst einmal die Musterdokumente für die verschiedenen Etikettengrößen, zwei Sammelalben mit vorgefertigten Rahmen für 3,5" und 5,25" Disketten, verschiedene Beispieldokumente mit größtenteils sehr gelungenen Beispiel Etikettenlabeln, sechs neue Schriftarten, ein Drawdokument mit Clipartbildern für die Etiketten (größtenteils aus Lighting Press), einem Drawdokument mit diversen vorgefertigten Überschriften für die Etiketten sowie einem Shareware DOS Diskettenverwaltungsprogramm.


Wie funktioniert nun GeoLabel?
ZOOMGeoLabel 3.0 Als ersten Schritt soll man sich das Vorgabedokument heraussuchen, welches für die Etikettengrößen bestimmt ist, die man bedrucken will.
Nun geht es an die Gestaltung der Master-Etiketten. Diese soll man sich nach dem Willen der Macher von GeoLabel aus den verschiedenen Vorgabedokumenten mit verschiedenen Rahmenmustern, Überschriften und Bildchen zusammenstellen.

Hat man es bis hierher geschafft (was gar nicht so schwierig ist), dann muß man nur noch die ganzen Objekte zu einem Objekt zusammenfassen, in die Zwischenablage kopieren und aus dieser heraus in die Kopie des Vorgabedokumentes einkleben. Diese Etiketten brauchen dann nur noch an den Hilfslinien ausgerichtet und ausgedruckt zu werden. Wenn ... ja wenn es da nicht zu ein paar Problemen kommen würde.


Situationsbericht
Als erstes werden erst einmal nur die Etiketten der Fa. Avery unterstützt. Leider war ich nicht in der Lage, Etiketten dieser Firma zu bekommen. Nachdem mir ein freundlicher Verkäufer mitgeteilt hatte, daß es dieselbe Firma wie Zweckform wäre, kaufte ich mir also die Etiketten mit der Nummer 3421, weil man Etiketten der Größe 70 x 50,8 mm genauso für 3,5" Etiketten als auch zum bedrucken von Adressen nehmen kann.
Zu Hause angekommen stellte ich fest, daß bei der Fa. Zweckform die Etiketten mit der Nr. 3421 nur eine Größe von 70 x 25,4 mm hatten. Also wieder zum Geschäft und umgetauscht. Da sie aber ausgerechnet diese Größe nicht mehr hatten, wurde die Größe 70 x 42,3 mm (Nr. 3652) genommen.

Endlich wieder glücklich zu Hause, wurde das erste Etikett erstellt und voller Freude auf dem Blatt plaziert. "Komisch", dachte ich, "den nicht druckbaren Rand sieht man ja gar nicht." Also sah ich mir mal im Dateimenü die Seiteneinstellungen an.
ZOOMGeoLabel Rand Die Blattgröße war auf DIN A4 gesetzt und die Ränder rundum auf Null gestellt. Kein Wunder also, daß der Computer beim Druckbefehl mault, das Arbeitsblatt passe nicht auf das Blatt im Drucker und nachfragt, ob es verkleinert werden soll.
Wenn man es dann endlich geschafft hat, die Blattgröße so zu verkleinern, daß der Computer nicht mehr meckert, dann muß man aber feststellen, daß die oberste, unterste, rechte und linke Etikettenreihe des Blattes nicht mehr bedruckt werden können, weil ein Drucker in der Regel ein DIN A4 Blatt nicht in voller Breite und Länge bedrucken kann. Zweckform schreibt dies sogar auf der Rückseite der Verpackungen, daß bei HP DeskJet (und nach meiner Meinung nicht nur bei diesem Druckertyp) nur Etiketten mit umlaufendem Rand verwendet werden sollen. Was aber dann wiederum sehr stark die Auswahl der noch zur Verfügung stehenden Etikettengrößen einschränkt.
Wenn man dann den Ausdruck in den Händen hält, stellt man weiterhin fest, daß die Hilfslinien, welche die Größe der Etiketten markieren sollen, nicht an der richtigen Stelle sitzen. Also müssen diese Positionen der Hilfslinien im Menü Layout auch noch korrigiert werden. Was auch wieder einige Probeausdrucke kostet.
Nach diesen schweißtreibenden stundenlangen Arbeiten kann man endlich GeoLabel benutzen.


Mängel
Dabei sollte man aber auf ein paar "Besonderheiten" achten.
Das Drawdokument mit den vorgefertigten Etikettenüberschriften ist zwar ganz nett, aber sämtliche Überschriften sind in Englisch. Von den sechs mitgelieferten Schriften existiert eine Schriftart (Cooperstown) schon im Standartpaket von Geos 2.0. Die Schriftart ParisMetro kann nur Großbuchstaben darstellen, und die restlichen Schriften (einschließlich ParisMetro ohne Cooperstown) können weder die Umlaute noch das scharfe 'ß' darstellen. Dabei frage ich mich, was diese Schriftarten in einem "komplett ins Deutsche übersetzte Paket" zu suchen haben. Aber es soll ja wohl auch Deutsche geben, die ohne Umlaute leben können.

Weiterhin mußte ich feststellen, daß folgende Maße bzw. Artikelnummern fehlerhaft sind:

GL3MTP-3421 - 70 x 50,8 mm hat bei Zweckform die Artikelnr. 3669
GL3MTP-3423 - 105 x 33 mm hat bei Zweckform die Etikettenmaße 105 x 33,8 mm
GL3MTP-3653 - 105 x 42,3 mm hat bei Zweckform die Etikettenmaße 105 x 42,4 mm
GL3MTP-3660 - 97 x 67,7 mm hat bei Zweckform die Etikettenmaße 97 x 67,6 mm
GL3MTP-7651 - 38,1 x 21,2 mm hat bei Zweckform die Etikettenmaße 38 x 21,2 mm und die Artikelnr. 3666

GeoLabel soll ursprünglich für den HP DeskJet 500 konzipiert worden sein. Wahrscheinlich ist noch nie ein HP unter GeoLabel gelaufen. Wenn man behauptet, daß das Programm ausgiebig getestet worden ist, dann kann es sich hierbei nur um einen schlechten Scherz handeln. (Anmerkung: getestet wurde in den USA)


Fazit
Diese ganzen "Unzulänglichkeiten" lassen mich zu folgendem Schluß kommen.
Nach meiner persönlichen Meinung rechtfertigt der Preis von 50,- DM für GUC- Mitglieder nicht das, was ein Etikettendruckprogramm darstellen soll. Auch nicht, wenn ein Shareware DOS Disketten Katalogprogramm beigelegt ist, für das man noch eine Registrierungsgebühr bezahlen muß, wenn man es weiter benutzen will.
Für meinen Geschmack fehlen einige fundamentale Dinge für ein Etikettendruckprogramm unter Geos:

 

  1. Druckvorlagen für in Deutschland erhältliche Etiketten.
  2. In Abhängigkeit zum eingestellten Drucker eine automatisch größtmögliche Ausnutzung des druckbaren Bereiches auf der Vorlage.
  3. Eine Funktion, die es erlaubt, daß Masteretikett nur einmal in die Zwischenablage zu kopieren und von dort aus mit einem Schlag in alle Etiketten auf dem Vorgabedokument einzukleben.

Es ist nämlich recht zeitraubend, auf einem DIN A 4 Blatt mit 70 x 42,3 mm Etiketten (= 24 Etiketten pro Blatt) ein Etikett 24mal auf ein Blatt einzukleben und genau zu positionieren. Bei einer Etikettengröße von 38 x 21,2 mm müßte man dieses Masteretikett 65 mal pro Seite einkleben und positionieren.

Nach meiner Meinung sollte man noch etwas warten, bis ein Programmierer ein Etikettenprogramm, z. B. nach dem Vorbild von GeoBanner, programmiert hat. Nachdem nun endlich das SDK raus ist, müßte sich nur noch jemand finden, der diese Sache in Angriff nimmt.


GeoLabel optimal nutzen
Wenn ein User sich aber mit GeoLabel begnügen möchte, dann sind hier ein paar Tips, wie man GeoLabel optimal ausnutzen kann.
Zuerst muß festgestellt werden, wie groß der größtmögliche druckbare Bereich des Druckers ist.


Bedruckbare Fläche ermitteln
ZOOMBedruckbare Fläche ermitteln Man öffnet ein GeoDraw Dokument und zeichnet eine senkrechte und eine waagerechte Linie, die über die gestrichelte Linie des druckbaren Bereiches hinausgehen.
Danach vergrößert man die Blattgröße des Druckers unter Datei - Drucken - Optionen so lange, bis der Drucker nach dem Ausdruck ein zweites Blatt nachzieht. Wenn der Drucker ein zweites Blatt nachzieht, dann muß man natürlich die Werte solange verringern, bis er dies wieder unterläßt.

Für HP DeskJet 510 kann man eintragen:


   Druckertreiber   HP DeskJet 500
   Blattbreite      21,41 cm
   Blatthöhe        29,92 cm

Wenn man dies eingestellt hat, mißt man mit einem Lineal die Linien, die der Drucker ausgedruckt hat, und schreibt sich die gemessenen Längen auf.
Danach verändert man unter Datei - Seitengröße die Blattbreite und Blatthöhe sowie die Ränder so lange, bis beim Ausdruck die Fehlermeldung kommt, daß das Blatt nicht auf das Blatt im Drucker paßt oder der druckbare Bereich, den man beim Ausdruck mit dem Lineal mißt, nicht mehr größer wird. Falls der Drucker beim Ausdruck die Meldung bringt, daß das Arbeitsblatt nicht auf das Blatt im Drucker paßt, dann muß man die Werte natürlich so lange wieder verringern, bis diese Fehlermeldung ausbleibt.

Beim HP DeskJet 510 ist die maximale Blattgröße 20,99 breit, 28,4 hoch und die Ränder ringsum auf 0,63 cm eingestellt. Nun hat man den größtmöglichen druckbaren Bereich ermittelt. Dieser ist beim HP DeskJet 510 20,3 x 27,4 cm groß.


Rand oder nicht?
Wie kann ich aber die Etikettenblätter benutzen, die keinen weißen Rand ringsum besitzen, ohne die oberste, unterste, linke und rechte Etikettenreihe zu verschenken weil, sie nicht bedruckt werden können?

Mein Vorschlag: nachdem man die oberen Blatteinstellungen vorgenommen hat, am Beispiel des linken oberen Etikettes den Bereich mit dem Zollstock zu messen, der zwischen der Linie des druckbaren Bereiches und dem Etikettrand liegt. Im vorliegenden Beispiel sind das 61 x 35 mm bei der Etikettengröße 70 x 42,3 mm.
Dies ergibt einen Unterschied von 9 mm in der Breite und 7,3 mm in der Höhe. Damit aber um das Masteretikett ein gleichbleibender weißer Rand entsteht, muß man die 9 mm Breite und 7,3 mm Höhe noch einmal von der ursprünglichen Größe des Etiketts abziehen.
Das sind also 70 mm minus 2 x 9 mm = 52 mm und 42,3 mm minus 2 x 7,3 mm = 27,7 mm. Mit dieser Rechnung haben wir die maximale Größe eines Masteretiketts (nämlich 52 x 27,7 mm) ermittelt.

Wenn wir dann das Masteretikett erstellt haben, dann können wir es am oberen und linken Rand des druckbaren Bereiches ausrichten. Somit können wir auch die Etiketten benutzen, die sich rings um den Blattrand befinden.
Am einfachsten ist es natürlich, sich gleich solche Etiketten mit umlaufendem Rand zu kaufen. Wie ich aber schon weiter oben erwähnte, ist dann die Auswahl an Etikettengröße sehr stark eingeschränkt. Der Vorteil der obigen Methode besteht darin, daß man nicht so viel Etiketten verschenkt.


Beispiel
Zur Verdeutlichung zum Schluß ein Rechenbeispiel:
Nehmen wir an, Sie kaufen die Etikettengröße der Fa. Zweckform 70 x 42,3 mm. Dies sind in jeder Reihe 3 Etiketten sprich 7 Reihen pro Blatt. Dann können sie nach dem obigen Beispiel 500 Etiketten in der vollen Größe 70 x 42,3 mm und 1600 Etiketten in der Größe 52 x 27,7 mm bedrucken.

Ansonsten wünsche ich noch viel Freud (oder Leid?) an GeoLabel.

 

Frank Kwirandt

 

Symbole die in GeoLabel auch enthalten sind
3 von vielen Symbolen, wie sie in GeoLabel 3.0 enthalten sind.


Der Kommentar...

Ein kritischer Testbericht von GeoLabel offenbart einige Mängel in dem Paket. An diesem Projekt werden wir lernen, neue Angebot gründlicher auf ihre Eignung hin zu überprüfen.

Beispiele: Diskette Trotz der Mängel in der Anpassung der Etikettenformate auf deutsche Verhältnisse und des nicht gelösten Druckerproblems bei der Vielzahl der Druckertypen halten wir GeoLabel für geeignet, dem Anwender die richtigen Hilfen für die Erstellung seiner eigenen Labelreihen zu geben.

Unsere bisherige Absicht ist es gewesen, so schnell wie möglich den Anwendern neue Produkte zur Verfügung zu stellen, zumal das Angebot für GeoWorks ja nicht gerade riesig ist.
Sehr problematisch ist es immer bei Produkten, die aus den USA kommen. Die US-Entwickler sind grundsätzlich immer voll von ihrem Produkt überzeugt und haben überhöhte Preisvorstellungen.
Das vor allem der Preis zu hoch ist, haben wir auch bei GeoLabel immer bei den Verhandlungen kritisiert. Da sich der Autor in dieser Hinsicht oft nicht beweglich zeigt, dies kann auch für deutsche Produkte gelten, stehen uns in der Regel zwei Wege zur Verfügung. Entweder anbieten oder eben nicht ...!

Aufgrund des geringen GEOS Marktes entscheiden wir uns lieber für das Anbieten, um nicht zufällig eine Möglichkeit für neue Impulse zu verschenken. An dieser Stelle spielt der GUC die Möglichkeit aus, auch bei geringen Stückzahlen die Produkte der (derzeit?) wenigen Entwickler und Autoren in der GEOS Welt doch zum Anwender gelangen zu lassen.

Sicherlich wäre es bei Produkten wie GeoLabel sinnvoller, wenn entweder der Preis bei unter 30 DM liegen oder die Produkte als Shareware (oder PD) zur Verfügung stehen könnten. Das liegt aber nicht in der Entscheidungsgewalt des Geos User Clubs.

 

Jürgen Heinisch

 

2 verkleinerte Beispiele Label
2 verkleinerte Beispiele Label

 

 

 




Dieser Artikel ist Bestandteil von:

Ausgabe 33

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Letzte Änderung am 01.11.2019