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GEOS und Novell DOS 7

Autoren: Thomas Haberland, Gerd Boerrigter

Novell DOS 7, kurz ND7, ist voll kompatibel zu MS-DOS. Das behauptet nicht nur Novell, das bestätigen auch verschiedene Computerzeitschriften und auch ich habe nichts gegenteiliges festgestellt. Zu einem Preis von 79,- DM (unverbindliche Preisempfehlung von Novell - umschauen kann sich lohnen, ich habe es zum Preis von 68 DM im Laden erworben - ) erhält man ein unglaublich preiswertes Paket bestehend aus einem kompletten Betriebssystem inklusive einer Menge Dienstprogramme, die Stacker-Disk-Komprimierung in der Version 3.12 (kostet sonst über 200,- DM) und die Netzwerksoftware Personal NetWare (sonst über 100,- DM).


Novell DOS
Die Installation ist einfach. Sie erfolgt mausgesteuert (aber mit Tastatur geht's auch) mit der Novell eigenen Oberfläche mit kontextsensitiver Hilfe. Diese Oberfläche begegnet einem auch in anderen Novell-Programmen wieder.
Leider werden die Multikonfigurationen von MS-DOS nicht richtig umgewandelt. ND7 tut jedoch so, als wäre das geschehen, was zu Überraschungen führen kann. Man kommt also nicht um eine Nachbearbeitung der Konfigurationsdateien (CONFIG.SYS und AUTOEXEC.BAT) mit einem Editor umhin. Es gibt auch keine speziellen Konfigurations-Menü-Befehle. Der Benutzer muß sich sein Menü durch die Befehle ECHO, SWITCH und RETURN selbst zusammenbauen. Dies macht die Konfiguration von ND7 aber flexibler, da es nicht mehr nur ein Menü mit verschiedenen Untermenüs gibt, sondern es können auch mehrere Menüs (mit Untermenüs) nacheinander folgen, die dann immer alle aufgerufen werden.

Die Konfiguration des Systems läßt sich bei einfachen Konfigurationen in allen wichtigen Punkten komfortabel durch das Setup-Programm erledigen, auch das Netzwerk und die Stackerkomprimierung können durch das Setup eingestellt werden. Nur wer eine Multikonfiguration verwendet oder spezielle, selten verwendete Optionen benutzen will, muß die Konfigurationsdateien selbst editieren. Ein guter Texteditor wird mitgeliefert. Von dort aus und natürlich direkt von der Kommandozeile kann das DOSBOOK aufgerufen werden. Dies ist das elektronische Handbuch von ND7 und enthält alles, was das gedruckte Handbuch auch enthält, und noch viel mehr. Viele Teile der Dokumentation sind nur im DOSBOOK vorhanden, vor allem zu den Dienstprogrammen und zum Netzwerkbereich.

ND7 hat eine verbessere Speicherverwaltung. Durch den Treiber DPMS.EXE, der selbst weniger als 2 KB Speicher belegt, sind viele Systemtreiber von ND7 in der Lage, sich zum größten Teil in den Speicher über 1 MB zu verschieben und so den konventionellen und den oberen Speicher zu entlasten. So ist es kein Problem, trotz vieler Treiber noch 620 KB konventionellen Speicher (bei 120 FILES) und einige KB oberen Speicher zur Verfügung zu haben.

ND7 enthält auch einen TaskManager, der im Gegensatz zum DR-DOS TaskMax auch einen Multitasking-Modus (ab 386er CPU) hat. Dabei wird ein Programm im Vordergrund ausgeführt und die anderen laufen im Hintergrund weiter. Je nach Programm ist jedoch oft ein Arbeiten mit dem Vordergrundprogramm recht schwer oder gar unmöglich.
Von Fifth Generation stammen Virenscanner und Backupprogramm. Der Virenscanner "SDScan" ist in der Lage, auch gepackte Archive (ZIP, LHA, ARJ) und gepackte EXE-Dateien (LZEXE, PKLITE, DIET) auf Virenbefall zu testen. Das Backupprogramm "Fast-Backup-Express" (Fbx) kann auf Wunsch beim Sichern oder Wiederherstellen der Dateien auf Viren testen. Leider ist auch Fast-Backup-Express nur eine abgespeckte Version. Viele Optionen des Originals sind nicht mehr vorhanden. Aber dies gilt ja auch für die Tools in MS-DOS.


Geschwindigkeit
Zur Festplattengeschwindigkeit unter DOS und GEOS habe ich einige Vergleichsmessungen zwischen MS-DOS 6.0 mit Smartdrive V5.0 und ND7 mit NWCache durchgeführt. Teile der Festplatte waren mit Stacker 3.12 aus Novell DOS komprimiert. Diese Version läuft - nach einem Hinweis auf die Lizenzverletzung - auch mit MS-DOS. Die DOS Buffer waren immer auf 15 eingestellt, d. h. die Buffer waren nie optimal eingestellt.
Ohne Cache sollten es mehr Buffer, mit Cache weniger sein, aber ich wollte gleiche Voraussetzungen schaffen, damit die ermittelten Werte wenigstens etwas vergleichbar sind. Außerdem hatte ich keine Lust, auch noch mit verschiedenen Buffer-Werten zu experimentieren.

Für den DOS Geschwindigkeitstest habe ich den Norton Commander (NC) benutzt, um keine optimierte COPY-Routine zu verwenden, da Programme ja in der Regel auch nicht optimiert sind. Ich bin zu den folgenden Ergebnissen gekommen.

Ohne Cache ist bei Novell DOS auf einem unkomprimierten Laufwerk das Kopieren des GEOS Systemverzeichnisses (3.6 MB) um 20% schneller als mit MS-DOS.
Auf einem mit Stacker 3.1 komprimierten Laufwerk sieht die Sache wieder anders aus. Unter GEOS ist das Kopieren bei beiden Betriebssystemen um ca. 30% langsamer als auf dem unkomprimierten Laufwerk.
Unter DOS wurde mit dem NC ebenfalls das GEOS Systemverzeichnis kopiert. Zuerst von einem unkomprimierten auf ein weiteres unkomprimiertes Laufwerk. Anschließend von einem komprimierten auf ein weiteres komprimiertes Laufwerk. Dabei ist die Geschwindigkeit mit MS-DOS - und bei ND7 auf den unkomprimierten Laufwerken - etwa 7 mal so hoch wie unter GEOS.
Beim Kopieren mit dem gestackten Laufwerk geht ND7 allerdings gewaltig in die Knie. Es braucht zum kopieren vom unkomprimierten auf das Stackerlaufwerk fast doppelt so lange wie MS-DOS, welches unter NC keinen Nachteil vom Stackerlaufwerk hat.

Mit 1 MB Festplattencache sieht die Sache folgendermaßen aus. Das Kopieren des Verzeichnisses mit dem NC geht mit ND7 15% schneller als mit MS-DOS und ist 150% (2,5 mal) schneller als ohne Cache. Unter GEOS auf dem unkomprimierten Laufwerk ist das Verhältnis noch besser. Dort wird das Verzeichnis mit ND7 20% (1,2 mal) schneller, mit MS-DOS stolze 240% (3,4 mal) schneller kopiert. Auf einem Stackerlaufwerk ist MS-DOS um 70% (1,7 mal) schneller als ohne Cache. ND7 ist leider trotz Cache überhaupt nicht schneller geworden. Vielleicht ist der Cache auch einfach noch zu klein.

Deshalb habe ich den Cache auf 2 MB vergrößert. Beim Kopieren mit dem NC macht sich dieser zusätzliche Cachespeicher weder mit ND7 noch MS-DOS bemerkbar, die Geschwindigkeit bleibt gleich, aber unter GEOS ist das der Turbo. ND7 ist auf dem unkomprimierten Laufwerk um 230% (3,3 mal) schneller als bei 1 MB Cache und um 300% (4 mal) schneller als ohne Cache, allerdings immer noch doppelt so langsam wie mit dem NC. Mit MS-DOS ist es ähnlich aber ND7 ist noch um 40% schneller als jenes. Auf dem komprimierten Laufwerk ist mit MS-DOS das Kopieren um 30% schneller als mit 1 MB Cache und 130% (2,3 mal) schneller als ohne Cache. Mit ND7 ist das Kopieren nur um 15% schneller geworden, was kaum der Rede wert ist.
Deshalb habe ich statt NWCache mal Smartdrive verwendet. Und siehe da, das Kopieren mit GEOS war jetzt auch auf dem komprimierten Laufwerk mit ND7 genauso schnell wie mit MS-DOS. Dafür ging die Kopiergeschwindigkeit unter GEOS auf dem unkomprimierten Laufwerk um 20% zurück.

Nun ist das Kopieren eines Verzeichnissses von 3,6 MB verteilt auf 212 Dateien ja kein typischer Vorgang. Deshalb habe ich auch noch die Zeit gemessen, die GEOS beim Start braucht:

  komprimiert unkomprimiert
ohne Cache    
MS-DOS: 20:5 15:0
ND7: 20:0 14:9

mit 1 MB Cache    
MS-DOS: 12:5 10:6
ND7: 12:8 10:8

mit 2 MB Cache    
MS-DOS: 11:5 8:8
ND7: 12:6 10:3
ND7:
& Smartdrive
11:7 9:6

Man sieht, ND7 hat seine Spitzenposition verloren, aber so groß sind die Unterschiede auch nicht. Und der Kopiertest zeigt ja den Geschwindigkeitsvorteil, den man mit NWCache haben kann. Smartdrive und NWCache haben wahrscheinlich eine etwas andere Caching-Strategie, die je nach Anwendung besser als die des anderen Caches ist.
Und dann sollte man auch noch einige andere Vorteile von NWCache sehen. Der Cache kann z. B. kurzzeitig abgeschaltet oder ganz entfernt werden.

Ob man sich Novell DOS zulegen soll, ist schwer zu beantworten und zum Glück auch nicht Aufgabe dieses Artikels. Wer einen älteren Computer hat, sollte es sich überlegen, da ND7 auch einige Speichertreiber für diese Computer besitzt (z. B. wandeln von EMS in XMS Speicher). Ferner stellt ND7 automatisch EMS und XMS Speicher gleichzeitig zur Verfügung, ohne besondere Parameter.
Wer von DR-DOS oder MS-DOS sowieso aufsteigen will, sollte Novell DOS auf jeden Fall in die Überlegung einschließen. Außerdem wird Novell DOS wohl das DOS für GEOS werden - so wie MS-DOS das DOS für Windows ist - denn Novell ist inzwischen an GeoWorks beteiligt. Diese Beteiligung kann für GEOS nur gut sein, denn das wird auch zu einem neuen Auftrieb für GEOS führen und hoffentlich auch zu neuen Anwendungen.


Tips, (nicht nur) für ND7 und GWE2

  • Man sollte versuchen, beim Start von GEOS etwa 1 MB freien Zusatzspeicher zur Verfügung zu haben, da GEOS dann nur noch sehr selten (nur bei mehreren gleichzeitig geöffneten Anwendungen oder sehr großen Dokumenten) eine Swap-Datei anlegt. Diese wird nämlich nur benötigt, wenn im RAM kein Platz mehr ist. Außerdem sollte das GEOS Swap-File nie auf einer RAM-Disk angelegt werden, denn GEOS kann das RAM selbst besser und schneller verwalten. Eine RAM-Disk ist für Geos nicht sinnvoll, der Speicher kann besser genutzt werden.
    Für das Swap File sollte genügend Platz vorhanden sein, ruhig einige MB, für den Fall der Fälle, daß eine Anwendung mal viel Speicher benötigt, was z. B. bei einigen Operationen von GeoCalc der Fall ist.
     
  • GEOS sollte nicht auf einem komprimierten Laufwerk benutzt werden. Wer es dennoch tut, erhält mit Smartdrive die höhere Geschwindigkeit. Auf unkomprimierten Laufwerken liefert NWCache das bessere Ergebnis.
    In beiden Fällen sollte man nach Möglichkeit 2 MB oder mehr Cachespeicher verwenden. Aber Achtung: Wenn der freie Zusatzspeicher ca. 512 KB unterschreitet, legt GEOS immer ein Swap-File an, wodurch es dann langsamer wird, teilweise sogar langsamer als ohne Cache. Es ist dann besser, den Cachespeicher zu verringern. Bei Rechnern mit 2 MB und weniger kann es aber besser sein, ganz auf den Cache zu verzichten und GEOS maximalen Speicher zu Verfügung zu stellen. GEOS läuft dann auf einigen Computern auch stabiler.
     
  • Bei NWCache sollte auch unbedingt die Option "/lend=off" angegeben werden, weil viele Programme, so auch GWE2, mit dem Ausleihen von Cachespeicher nicht zurecht kommen.
     
  • Komprimierte Laufwerke können in der Dialagbox "Diskette formatieren" des GeoManagers erscheinen. Wenn man in der GEOS.INI im Abschnitt [system] die Zeile "drive C = 65535" (wenn C: das komprimierte Laufwerk ist) einträgt, sollte dies behoben sein. Dies gilt entsprechend für jedes derartig problematische Laufwerk.
     
  • Der TaskManager arbeitet hervorragend mit GEOS zusammen (DR-DOS TaskMax einstellen). Wer unbedingt den Multitasker verwenden will, muß GEOS als letztes Programm starten, da es sich anscheinend den kompletten freien Zusatzspeicher unter den Nagel reißt und dann für neue Tasks kein Speicher mehr zur Verfügung steht.

 

Gerd Boerrigter


Anmerkungen
Nach bisherigen Erkenntnissen kooperieren ND7 und GWE2 ohne jegliche Probleme miteinander.
Allerdings hat sich herausgestellt, daß ND7 sehr hardwareabhängig ist. Auf einigen Rechnern kann es zu DOS Problemen kommen, die durch individuelle Anpassungen zumeist gelöst werden können.

Bei Problemen mit ND7 und GWE2 helfen wir gerne weiter! Dies gilt auch für die Personal Netware aus ND7, nachdem ich selbst diese Software installiert habe und gelegentlich einsetze.

Bitte beachtet aber unbedingt, daß eine Hilfestellung nur dann möglich ist, wenn:

  1. die Probleme so exakt wie möglich detailliert beschrieben werden,
  2. die vorhandene Hardware angegeben wird,
  3. alle System-Dateien entweder ausgedruckt oder als Kopie auf 3,5" Disk mitgeschickt werden (Config.sys und Autoexec.bat und GEOS.INI und SYSINFO!), und
  4. ein ausreichend frankierter Rückumschlag mitgeschickt wird.

Leider haben in der Vergangenheit viele die o. g. 4 Systemdateien nicht mitgeschickt. Ohne diese ist eine Hilfestellung NICHT möglich! Und das Beilegen des Rückportos sollte ja wohl selbstverständlich sein ...

Die von Novell herausgegebenen Bugfix Dateien sind über die GeoBox zu bekommen. Eine Weitergabe auf PD Disketten ist leider nicht zulässig.
Aktuell ist derzeit das Update 04 vom Anfang Juni. Jedes Update enthält auch alle vorherigen Updates!

Folgend noch ein Beispiel für eine ND7 Multikonfiguration.

Hier nur für die Config.sys, die entsprechenden Menü-Einträge für die Autoexec.bat sind aber identisch.
Dabei ist noch anzumerken, daß alle 4DOS Anwender diese Menüs nur in der Config.sys einsetzen können! Auch die zeilenweise Abfrage über '?' am Zeilenbeginn ist mit 4DOS nicht in der Autoexec.bat durchführbar.
Außerdem kann u. U. der TaskMgr nicht geladen werden, wenn 4DOS in die UMB Blöcke geladen wird!

CONFIG.SYS mit Menü

  echo 1 = normale Konfiguration ohne CD
  echo 2 = CD-ROM Treiber laden
  echo 3 = Syquest Wechseltreiber laden
  echo Timeout 5 Sekunden !
  timeout 5
  switch NORMAL, CDROM, SYQUEST
  echo Konfiguration ok
  exit
  :NORMAL
  DEVICE=C:\NWDOS\EMM386.EXE DPMI=OFF FRAME=AUTO
  ?DEVICE=C\NWDOS\DPMS.EXE
  DEVICE=C:\NWDOS\SETVER.EXE
  LASTDRIVE=z
  SHELL=C:\4DOS.COM /P
  BREAK=OFF
  BUFFERS=6   [ -> da NWCache geladen! ]
  FILES=180
  FCBS=0.0
  DEVICEHIGH=C:\NWDOS\ANSI.SYS
  DOS=HIGH
  return

  :CDROM
  ... alle hierfür gewünschten Einträge !
  return

  :SYQUEST
  ... alle hierfür gewünschten Einträge !
  return

EXIT und RETURN sind wichtig, da die Installation des gewählten Menüs sonst nicht korrekt durchgeführt wird.

 

Thomas Haberland

 

 

 




Dieser Artikel ist Bestandteil von:

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letzte Änderung am 01.01.1970