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DTP - aber richtig! (2)

Autor: Burkhard Oerttel

(Anmerkung: Im Orginal sind die verschiedenen Absätze auch mit verschiedenen Schriften formatiert. Bei der Texterkennung gingen diese Formatierungen aber verloren. Wer dennoch sehen möchte, wie es im Orginal aussah, kann auf das Auge klicken.)

Absatz-Layout: Orginal Neben den im ersten Teil genannten Beispielen an Schriften mit oder ohne Serifen gibt es noch wesentlich mehr; es wäre schier unmöglich, alle aufzuführen, nicht einmal die bekanntesten lassen sich komplett in eine solche Darstellung einbeziehen. Dennoch sollen noch einige Spezialfälle erwähnt werden. Es gibt auch Mischformen, also quasi serifenlose Antiqua und Grotesk mit Serifen. Gelegentlich kommt es nämlich vor, daß eine Schrift der einen Gruppe kein direktes Pendant in der anderen besitzt, aber ein Schriftgestalter so etwas zu benötigen glaubt. Dann ist es nicht weiter schwierig, aus einer Schrift eine neue zu schaffen, einfach durch Hinzufügen oder Weglassen von Serifen.

Absatz-Layout: Orginal Ob das in jedem Fall gutgeht, ist eine andere Frage, denn Schriftproportionen und die Frage, ob mit oder ohne Serifen, hängen eng miteinander zusammen. Dieser Absatz ist z.B. in Beguiat Gothic geschrieben, der serifenfreien Abart der Benguiat aus dem vorigen Absatz. Deutlich ist zu erkennen, daß bei der Gothic-Abart nicht nur einfach die Serifen weggelassen wurden, sondern auch einige weitere Veränderungen an der Schrift vorgenommen wurden, damit sie gefälliger wirkt.

Absatz-Layout: Orginal Auch ein Beispiel für den umgekehrten Weg soll es hier geben: Die Schrift Lubalin wirkt auf den ersten Blick wie eine Egyptienne. Wer die erste Folge aufmerksam gelesen hat, erkennt aber am kleinen a, daß es sich um eine mit Serifen angereichterte Geometrie-Schrift, also ursprünglich eine Grotesk-Schrift handelt.

Absatz-Layout: Orginal Zum Abschluß dieser Spitzfindigkeiten soll noch eine weitere Sondergruppe von Schriften erwähnt werden: die Monospace - Schriften. So nennt man in der Fachsprache Schriften, bei denen der Platzbedarf aller Buchstaben identisch ist, im Gegensatz zu den im DTP Bereich meist verwendeten Absatz-Layout: Orginal Proportionalschriften. Sie stammen eigentlich aus der Schreibmaschinenära, denn auf den herkömmlichen Schreibmaschinen ging es gar nicht anders, als daß für jeden Buchstaben der selbe Platz vorgesehen werden mußte. In den 70er Jahren kamen kurzfristig auch Schreibmaschinen mit Proportionalschrift auf, aber die waren sehr teuer und setzten sich nicht durch. Mit dem Einzug der PC in die Büros und der Ausweitung der DTP Fähigkeiten gerieten die Monospace Schriften nahezu in Vergessenheit, aber ab und zu benötigt man sie doch.

Absatz-Layout: Orginal Hier gewinnen die Serifen eine ganz besondere Bedeutung, denn sie stellen bei schmalen Buchstaben den Ausgleich her. Ein Beispiel ist die Courier [URW Mono, Pica] , die auch zur Standardausstattung fast aller Drucker gehört.

Absatz-Layout: Orginal Ein wenig eleganter als die Mono-Schriften mit Serifen wirken (fast) serifenfreie Schriften, am verbreitetsten ist die Letter gothic, aber sie ist aufgrund des schon erwähnten Breitenausgleichs nicht völlig frei von Serifen.

Absatz-Layout: Orginal Ganz klar, daß bei beiden Gruppen im Monospace-Bereich keine echten Kursiv-Schnitte existieren, denn auf der Schreibmaschine gingen solche Extras ja nicht. Auch Fettdruck war auf den alten Klapparatismen nicht möglich, dennoch emulieren DTP-Fonts derartiges. Und auch eine "spezielle Kursiv-Variante" befindet sich mit der früher für "persönliches Schriftgut" angewandten Script-Schrift wieder.

Absatz-Layout: Orginal Meine bisherigen Ausführungen bezogen sich auf sehr sachliche [Büro] Schriften. Dekorative Schriften möchte ich hier auch nur streifen. Sie sind ausschließlich für den Akzidenzsatz geeignet, also einseitige Bruchstücke wie Plakate, Handzettel, Annoncen etc. Im Fließtext sollte man unbedingt auf sie verzichten, wenn man möchte, dass der Text auch vom Anfang bis zum Ende gelesen wird, denn mancher Sonderfont ist nur mit Anstrengungen lesbar. Die in diesem und dem Folgeabsatz verwendete "Western Schrift" ist noch einigermaßen gut lesbar, es gibt weit problematischere Schriften.

Wichtig ist bei allen Schriften, aber besonders bei Deko-Fonts, das richtige Verhältnis von Aussehen und Inhalt. Das lernt man in jedem Layout-Kurs als erstes: Die "Message" muß zum Schrifttyp passen. Absatz-Layout: Orginal Eine Schrift, mit der sich Hundefutter verkaufen läßt, ist nun mal für Traueranzeigen in den seltensten Fällen zu gebrauchen. Nachfolgend einige Beispiele, die in sich aussagekräftig genug sein dürften:

Beispiel-SchriftenZOOM

Absatz-Layout: Orginal Zu den Sonderfonts gehört heute auch eine Schriftgattung, die in der Vergangenheit die Druckschrift schlechthin war: Fraktur. Diese Bezeichnung rührt von ihrem gebrochenen Erscheinungsbild her: Die Buchstaben bestehen nicht aus ineinander übergehenden Linien, sondern wirken wie aus mehreren Einzelteilen zusammengesetzt. Viele der Jüngeren können diese Schriften heute gar nicht mehr lesen, deshalb sollte man ihren Einsatz in Fließtexten auch auf absolute Sonderfälle beschränken. Auch durch "geschichtliche" Einflüsse haben Frakturschriften einigen (braunen) Lack lassen müssen, weshalb man sie heute kaum noch vorfindet. Dennoch, ein gewisser ästhetischer Reiz ist ihnen nicht abzusprechen.

Absatz-Layout: Orginal Bei deutscher Frakturschrift muß noch eine Besonderheit beachtet werden: Sie kennt zwei Formen des kleinen s. Als Rund-s steht es immer am Schluß eines Wortes, als Lang-s in der Mitte. Da auf der Tastatur nur eine s-Position vorhanden ist, verfügen viele Fonts nur über das Rund-s (wie zum Beispiel die Old English [Canterbury]) des vorigen Absatzes. Bessere Fonts wie die Alte Schwabacher in diesem Absatz besitzen beide Varianten und belegen mit dem zweiten ein Sonderzeichen. Die damit erreichbare "typographische Reinheit" bezahlt man mit mühsamen Nachbesserungen.

Absatz-Layout: Orginal So, und nun zur Erholung mal wieder normale Druckschrift. Sie läßt sich gut lesen und wirkt schön sachlich ... und das ist auch ein Handicap. Früher galt einmal die Regel, daß man persönliche Briefe mit der Hand schreibt und nicht mit der Maschine. Benimmregeln ändern sich, und heutzutage findet niemand mehr etwas dabei, wenn er einen Privatbrief erhält, der am PC gefertigt wurde (mal abgesehen von Liebesbriefen!). Man kann natürlich auch seine private Korrespondenz mit "Büroschriften" erledigen, aber deren Sachlichkeit schreckt irgendwie ab.

Absatz-Layout: Orginal Bei dem Überangebot an Fonts ist es nun ein Leichtes, eine handschriftliche Schrift zu finden, zum Beispiel die Kaufmann [Cursive], dennoch sollte ein solcher Handschrift-Ersatz nicht für private Korrespondenz eingesetzt werden. Das der Brief mit dem PC angefertigt wurde, erkennt der Empfänger sofort, und da wirkt dann "die Emulation der Handschrift" irgendwie aufgesetzt.

Absatz-Layout: Orginal Besser ist es, eine Druckschrift mit dem Hauch von "Verspieltheit" zu benutzen. Die Goudy, die schon in der ersten Folge erwähnt wurde, bietet sich dafür an, die oben benutzte Benguiat oder auch eine kursive Galliard [Barde], wie sie hier in diesem Absatz zum Einsatz kommt.

Absatz-Layout: Orginal Beliebt ist auch die Souvenir [Novelty], die an eine Verbesserung der alten Schreibmaschinen-Script erinnert. Wichtig ist auf jeden Fall, daß Schrift und Text (Inhalt) harmonieren. Für eine Bewerbung ist die Souvenir bestimmt weniger gut geeignet, als eine Century oder Helvetica. Bei Bewerbungen kommt es wiederum auf den Empfänger an: Bei einer Behörde oder einer Anwaltskanzlei hat eine Bewerbung mit einer sachlichen Schrift mehr Erfolg als mit einer dekorativen. Ist man allerdings auf eine Stelle in einem Werbebüro aus, dürften die Verhältnisse umgekehrt liegen.

Absatz-Layout: Orginal Kommen wir zum Abschluß dieses Beitrags zu einem ganz anderen Kapitel: der Schrifterkennung. Gemeint ist damit nicht die elektronische Umsetzung von Schrift in ASCII-Code mit Hilfe eines OCR-Programms, Absatz-Layout: Orginal sondern das Erkennen von Schrift durch den Benutzer. Wer viel mit Layout arbeitet, kommt häufig in die Verlegenheit, anhand einer bestehenden Vorlage etwas neu zu gestalten, wobei die Schrift der Vorlage benutzt werden soll. Wie man sich dabei trotz der immensen Vielfalt an Schriften behilft, soll hier erläutert werden.

Absatz-Layout: Orginal Im vorangegangenen Text habe ich ja schon einige Hinweise auf charakteristische Unterschiede der Schriftarten gegeben. Die erste Unterscheidung, ob es sich um eine Serifenschrift oder eine Grotesk handelt, fällt meist leicht, aber auch nicht immer, wie ich in einigen Beispielen dargestellt habe. Nach der ersten Unterscheidung gehen die Probleme aber erst richtig los. Hilfreich ist es, sich auf einige bestimmte Buchstaben zu konzentrieren, denn sie sind meist verräterisch: a, g, j, ß, C, G, J, K, M, Q, R, Y. Sonderzeichen, besonders $, § und & verführen zwar auf den ersten Blick auch dazu, zur Identifizierung herangezogen zu werden, sind aber überhaupt nicht geeignet, weil hier häufig von den Schriftgestaltern geschludert wird, indem sie einfach Sonderzeichen aus einem fremden Zeichensatz übernehmen.

Absatz-Layout: Orginal Anhand einiger bekannter Grotesk-Fonts möchte ich die "Detektivarbeit" verdeutlichen:

ZOOMUnterschiede: Helvetica - Univers Am kleinen a erkennen Sie, ob der Font zum Helvetica- oder Geometrie-Bereich gehört. Innerhalb der Helvetica-Gruppe sind am häufigsten Helvetica und Univers anzutreffen. Auch hier hilft das a zur Unterscheidung, denn nur in der Helvetica hat es eine kleine Serife am Schluß, in der Univers nicht. Das ß ist in der Univers etwas verspielter als in der Helvetica, erinnert fast an ein Serifen-ß. Dagegen hat das R in Helvetica einen leichten Schlenker im Abstrich, hier ist die Univers mit ihrem senkrechten Abstrich sachlicher. Beim G verzichtet Univers völlig auf den Abstrich, das Helvetiva-G besitzt einen solchen. Der Strich am Q ist in der Helvetica schräg, in der Univers waagrecht.

Absatz-Layout: Orginal Ähnlich kann man bei den geometrischen Schriften vorgehen. Von Laien wird die Futura gern mit der Gill Sans und der Neuzeit verwechselt. Auch hier helfen geringe Abweichungen der genannten Buchstaben weiter:

Absatz-Layout: Orginal Zunächst mal ist Gill Sans keine Geometrieschrift, auch wenn sie auf den ersten Blick so wirkt, b, d, p und q sind ein klarer Hinweis darauf, daß nicht alle Rundungen exakt sind. Aber das ist bei einer Absatz-Layout: Orginal schmal geschnittenen Futura auch nicht der Fall, darum benötigt man weitere Hinweise. Und wieder mal ist das a behilflich, das in der Gill das typische Erscheinungsbild nichtgeometrischer Schriften besitzt. Weitere Hinweise gibt das g, dessen Unterlänge bei Futura offen ist, bei Gill aber geschlossen wie bei einer Serifenschrift. Das j der Futura ist ein gerader Strich mit Punkt drauf, bei der Gill hat es unten einen Bogen nach links. Schließlich gibt es noch beim ß einen Unterschied zu verzeichnen, denn bei Futura besitzt es einen Anstrich, bei Gill keinen.

Absatz-Layout: Orginal ZOOMUnterschiede: Gill Sans - Futura - Neuzeit Schwieriger wird die Abgrenzung der Futura zur Neuzeit, denn beide sind geometrische Schriften, die sich in der generellen Form erst mal durch die "Taillenhöhe", also die Lage der Querstriche bei A, E und F, sowie durch einige Varianten in der Strichstärke der Neuzeit unterscheiden. Da das nicht so leicht erkennbar ist, gibt es auch hier Kleinigkeiten, die die Erkennung ermöglichen. Das J der Neuzeit besitzt oben einen Querstrich, auf den die Futura verzichtet, bei kleinen j trifft dieselbe Unterscheidung zu wie gegenüber der Gill Sans. Besonders deutlich ist der Unterschied beim M, denn das Futura-M hat schräge Auf- und Abstriche, das der Neuzeit gerade.

Absatz-Layout: Orginal Wenn es um die Unterscheidung von Serifenschriften geht, wird die Sache zwar komplizierter, denn es gibt weit mehr Antiqua- als Groteskschriften. Auch sind die Unterschiede dort nicht so deutlich, aber mit Hilfe der genannten Buchstaben findet man häufig doch die richtige Spur.

 

Burkhard Oerttel

 

 

 




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Ausgabe 39

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letzte Änderung am 01.01.1970